P. Pascal Meyerhans zum 2. Sonntag im Jahreskreis 2024

14.01.2024

Als ich in die fünfte Primarschul-Klasse ging, da hatten wir einen jungen Kaplan als Religionslehrer. Sie können sich vorstellen, dass die ganze Klasse schwärmte für diesen Priester. Wir waren nur Buben und wir taten alles für ihn. Ich weiss noch gut, dass ich, der ich auch Ministrant war, aber von einer andern Orts-Kirche als dieser Geistliche, wie ich in der Pause von der Schule wegschlich, zur Kirche ging und dort diesen Priester beobachtete, wie er ganz alleine vorne im Chorgestühl sein Brevier betete, oft über eine Stunde. Die Kirche war sonst leer. Das machte einen derart tiefen Eindruck auf mich, dass ich einfach auch so sein wollte wie er. Der war doch ganz nahe beim Herrgott im Tabernakel und das wollte ich auch sein und auch so werden wie er. Vielleicht war das einer der Anfänge meiner Berufungsgeschichte.

Johannes der Täufer hat Andreas und Petrus hingewiesen: schaut: dort ist Jesus. Seltsam hat er von ihm gesprochen: er ist das Lamm Gottes. Im grossen Zusammenhang wissen wir heutigen Christen, was das bedeutet: jener, der die Sünden auf sich nimmt und diese Sünden sühnt, wie ein Lamm für die Sünden der Menschen stirbt. Die beiden Jünger wussten das noch nicht, waren aber angetan von Jesus, merkten sofort, dass er ein ganz besonderer Mensch war, auf den Verlass ist, und blieben den ganzen Tag bei ihm. Das war wohl der Anfang ihrer Berufungsgeschichte.

Als unser Schuljahr daheim zu Ende ging, haben wir Fünftklässler ein paar Franken zusammengesammelt, um dem Kaplan ein Abschieds-Geschenk zu machen. Wir kauften im Blumenladen eine Clivia und brachten sie ihm in die Kaplanei. Der Kaplan hatte eine Riesenfreude und war ganz gerührt.

Wie ich dann selber Priester wurde, hatte dieser Kaplan mir in unserer Klosterkirche hier die Primizpredigt. Er hat mir damals gesagt: hoffentlich ist die Eucharistie für dich keine Pflicht, sondern ein grosses Geschenk, dass du die hl. Messe hoffentlich jeden Tag zu Ehren dieses Gottes, der dich gerufen und erwählt hat, feierst. Ich habe mich bis jetzt immer darangehalten, ausser in Tagen, wo ich im Spital war. Die Eucharistie war und blieb wirklich auch ein grosses Geschenk für mich.

Warum erzähle ich ihnen das? Aus zwei Gründen:

Dieser Priester und Kaplan hat keinen Missbrauch getan. Jemand hat mir geschrieben: es gibt überall gute und schlechte Menschen, überall, auch dort, wo wir sind. Bei welchen wir uns einreihen wollen, das muss jeder selber wissen und vor seinem Gewissen verantworten. Dazu aber noch das: als eine Ehebrecherin zu Jesus gebracht wurde, sagte er den Pharisäern: wer von euch ohne Sünde ist, soll den ersten Stein auf sie werfen. Da haben sich alle ausnahmslos, auch jene, die mit dem Finger auf andere zeigten, verzogen, weil sie wussten, dass bei ihnen auch nicht alles in Ordnung war. Gottseidank gibt es dafür, wenn wir nicht mehr weiterwissen, das Lamm Gottes, das Sakrament der Busse, das Sakrament der Versöhnung.

Der zweite Grund ist der: ich wünschte, dass auch heute junge Menschen wieder den Draht fänden – ist gleich aus welchem Grund – wenn es auch nur ein kindliches Schwärmen wäre – zu einem Beruf, der ein wunderbarer Beruf ist, der Gott in der Mitte hat und von dem man sagen darf, wie die beiden Apostel es taten: wir haben den Messias gefunden. Wissen Sie, was das für ein Geschenk ist?