P. Jean-Sébastien Charrière am Fest Taufe des Herrn 2024

07.01.2024

Liebe Brüder und Schwestern

Mit dem heutigen Fest der Taufe des Herrn geht die Weihnachtszeit zu Ende. Ab morgen beginnt die Zeit im Jahreskreis. Diese Wende gleicht der Wende, die im Leben Jesu bei seiner Taufe stattfindet. Dreissig Jahre lang war sein Leben meist verborgen. Nach seiner Taufe beginnen die drei Jahre seines öffentlichen Lebens. Das heisst: dreissig Jahre Vorbereitung für drei Jahre Offenbarung, die gekrönt und vollendet werden mit den drei Tagen der Wandlung, durch den Tod und die Auferstehung.

Im Gegensatz zu den anderen Evangelisten beginnt das Evangelium von Markus sofort mit der Taufe Jesu. Aber zuerst kommt Johannes ins Spiel, dessen Berufung schon durch den Propheten Jesaja verkündet worden war. Er ist die Stimme eines Rufers in der Wüste, ein Bote, der den Weg des Herrn bahnen soll (siehe Mk 1,2; Jes 40,3). Der Vorläufer verkündet eine Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden.

Aber wenn Jesus, der Heilige Gottes, zu ihm kommt, ist es sicher nicht für die Vergebung seiner Sünden und auch nicht, um sich zu bekehren. Dies ist sich der Täufer schon bewusst. Er verkündete: «Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen» (Mk 1,7). Und im Johannesevangelium bekennt er: «Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war» (Joh 1,15).

Ist dann Jesus zu Johannes gekommen, um den Heiligen Geist zu empfangen? Sicher nicht, denn als Person der Dreieinigkeit ist er schon eins mit dem Vater und dem Heiligen Geist seit Ewigkeit. Darüber können wir mithilfe des Johannes-Prologs (Joh 1,1ff.) nachdenken. Und ein paar Kapitel weiter sagt Jesus von sich: «Noch ehe Abraham wurde, bin ich» (Joh 8,58). Dies wird auch vom Hebräerbrief bestätigt, wo es heisst: «Jesus Christus ist derselbe gestern und heute und in Ewigkeit» (Hebr 13,8).

Mit der Taufe Jesu, geht es dann nicht um eine Veränderung oder Verwandlung von Christus, sondern um eine Verkündigung für uns. Bei dieser Epiphanie oder Erscheinung Gottes, zeigt sich Jesus als der geliebte Sohn. Er offenbart sich zuerst denen, die ihn ehrlich suchen. Er beginnt sein öffentliches Leben da, wo Menschen bei Johannes die Vergebung der Sünden suchen, um sich vorzubereiten auf die Ankunft des Herrn. Diese sehnen sich nach Gott und sind bereit, ihn zu empfangen und sich von ihm verwandeln zu lassen.

Es ist interessant zu lesen, dass Johannes in der Wüste ist, um mit Wasser zu taufen – Wüste und Wasser sind zwei starke Gegensätze. Die Wüste ist in der Regel der Ort des Mangels, der Trockenheit, des Todes und oft auch ein Sinnbild für das Unvollkommene in unserem Leben. Das Wasser kann aber die Wüste in einen Garten, in ein Paradies verwandeln. Gott spricht durch den Propheten Hosea: «Ich werde sie in die Wüste gehen lassen und ihr zu Herzen reden» (Hos 2, 16). An die Macht Gottes wird im Psalm 107 erinnert: «Er macht Wüste zum Wasserteich, verdorrtes Land zu Oasen» (Ps 107, 35). Gott kann alles verwandeln, wenn man ihn annimmt.

«Jesus liess sich von Johannes im Jordan taufen» haben wir gehört. Durch die Wüste, in der Johannes tauft, fliesst der Jordan. Der Fluss ist oft ein Sinnbild für das Leben. Ein Fluss hat ein Anfang, einen Weg und ein Ende. Sein Strom kann manchmal ruhig und breit sein, manchmal wild oder durch Hindernisse und Wasserfälle seinen Weg gehen. Dies ist noch besonders bildlich mit dem Jordan. Dieser sprudelt aus den Quellen im Hermon-Berg, er bahnt sich den Weg durch das Heilige Land und endet im Toten Meer. In diesen Fluss taucht Jesu ein, um getauft zu werden.

Die Taufe Jesu im Jordan ist nicht zu vergleichen und zu verwechseln mit unserer Taufe. Seine Taufe im Jordan ist vor allem eine Verkündigung. Mitten im Lukasevangelium, obwohl er schon mit Wasser getauft worden ist, sagt Jesus: «Ich muss mit einer Taufe getauft werden und wie bin ich bedrängt, bis sie vollzogen ist» (Lk 12,50). Mit Christus bekommt die Taufe eine ganz neue Bedeutung: Sie ist nicht mehr bloss ein Zeichen der Reinigung oder ein Symbol der Umkehr. Johannes ist sich dessen bewusst, wenn er sagt: «Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen». Die wahre Taufe Jesu ist sein Tod und seine Auferstehung durch das Wirken des Heiligen Geistes. Und unsere Taufe ist Teilnahme an diesem Geschehen.

Im kurzen ersten Kapitel des Markusevangeliums, der von der Taufe Jesu spricht, wird der Heilige Geist nicht weniger als drei Mal genannt. Das weist darauf hin, wie wichtig seine Rolle in unserem Leben ist. Die einen sagen: «Gott der Vater ist Gott über uns, Gott der Sohn – der Immanuel – ist Gott mit uns, und der Heilige Geist ist Gott in uns».

Wenn Jesus im Jordan eintaucht, können wir verstehen, dass er in unserem Leben eintauchen will. Aber auch umgekehrt: Er will, dass wir in sein Leben eintauchen! Das können wir nur, indem wir Zeit mit ihm verbringen, indem wir Zeiten der Stille, des Gebetes, der geistlichen Lesung pflegen. Auch durch den Empfang der Sakramente wird sein Geist immer mehr unser ganzes Leben prägen. Er will aber auch all unser Tun und Lassen prägen. Deshalb ist es wichtig, achtsam durch den Alltag zu gehen, denn Gott taucht sogar an unerwarteten Orten auf. Die heilige Teresa von Avila sagte: „Inmitten all der Töpfe erwartet euch der Herr!“ Seinerseits sagte Papst Johannes der Dreiundzwanzigste: „Man kann mit einem Hirtenstab in der Hand heilig werden, aber ebenso gut mit einem Besen!“. Im gleichen Sinn schrieb der heilige Benedikt, dass alle Gegenstände und jeglicher Besitz wie Altargefäss betrachtet werden sollten (RB 31,10). Das ganze Leben, alle Handlungen und Begegnungen sollten Gottesdienst sein.

Liebe Schwestern und Brüder

Wenn wir in diesem Bewusstsein leben, werden wir den Himmel sich öffnen sehen und unser Herz wird, wie Jesus bei seiner Taufe im Jordan, hören: «Du bist meine geliebte Tochter, mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden». AMEN.