P. Gerhard Stoll am Vierten Adventssonntag 2023

24.12.2023

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, ab und zu werfe ich beim Lesen unserer Überregionalzeitungen mal einen Blick auf die Rubrik «Kontaktanzeigen» – nicht, weil ich auf diesem Weg selbst eine Bekanntschaft schliessen möchte, sondern weil ich deren Inhalt sehr aufschlussreich und interessant finde.

Als eigene Eigenschaften werden da am häufigsten genannt: hübsch, sportlich, wohlhabend und sympathisch.  Begehrt und gewünscht werden da vom jeweils anderen: Herzensgüte, Vertrauen und Treue. Als häufigster Grund für die Schliessung einer Beziehung werden genannt: Alleinsein und Einsamkeit. – Vor allem in der Advents- und Weihnachtszeit nimmt das Gefühl der Einsamkeit stark zu. So lautete vor kurzem eine solcher Anzeigen: Ich würde alles dafür geben, wenn ich dieses Weihnachtsfest nicht allein verbringen müsste. Wer befreit mich aus meiner Einsamkeit – ruf mich doch bitte an?!

In der Tat scheint die Einsamkeit zu den grösseren Nöten unserer Zeit zu gehören. In England gibt es seit Jahren schon sogar ein Extra-Ministerium für Einsamkeit, das sich besonders der Einsamkeit von Menschen annimmt. Da werden die Lebensgewohnheiten in Grosssiedlungen analysiert – das Freizeit- und Spielverhalten egozentrierter Kinder. Jugendlicher und Erwachsener hinterfragt – und der Konkurrenzdruck in unserer Leistungsgesellschaft untersucht– und man stellt fest: eine gewisse gegenseitige körperliche und geistige Abschirmung hat zu einer Isolierung voneinander und somit zu einer Vereinsamung in der Bevölkerung geführt. Die Behebung dieses Zustandes der Vereinsamung wird dann meistens an Sozialinstitutionen überwiesen.

Den aufmerksamen Zuhörern wird es wohl aufgefallen sein, dass bei Selbstdarstellungen in Anzeigen und bei den gewünschten Eigenschaften des Gegenübers ein Widerspruch besteht – das Angebot und die Nachfrage stimmen da nicht überein: Reichtum und gutes Aussehen werden geboten – Herzensgüte und lebenslange Zuwendung werden gewünscht. Fast ganz unerwähnt bleiben in fast allen Anzeigen auf beiden Seiten die christlichen Tugenden wie Glaube. Hoffnung und Liebe.

Schauen Sie, es gibt da einen uralten Schwarz-Weiss Film aus den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts über den Psychoanalytiker Sigmund Freud: da sitzen in einer Szene zwei Patienten im Wartezimmer des bekannten Therapeuten und stellen im Gespräch übereinstimmend fest: die beste Therapie, die ihnen bestimmt helfen könnte, das wäre wohl die Liebe und Zuwendung von Menschen. Nur, solche Menschen fallen nicht einfach so vom Himmel!

Liebe Schwestern und Brüder, traditionsgemäss ist Maria die Hauptperson des Evangeliums vom 4. Adventssonntag – so auch in diesem Jahr der Verkündigungsbericht. Gerade hat sie vorhin zum Engel ihr FIAT gesprochen: Ich bin die Magd des Herrn – mit mir geschehe, was Du da eben zu mir gesagt hast. Als die von Gott Erwählte wird sie dann zur aktiven Botschafterin des Glaubens: In der Fortsetzung des heutigen Evangeliums besucht sie nämlich ihre Verwandte Elisabeth.

Welche herausragenden Eigenschaften hat Maria aufzubieten?  Nun, als Maria erfuhr, auch ihre Verwandte Elisabeth sei schwanger – bereits im 6. Monat – da macht sie sich auf den Weg, um ihr in diesen für eine schwangere Frau nicht gerade leichten Tagen beizustehen. Sie tut das, ohne viel Aufwand zu machen und ohne sich von Elisabeth gross bitten zu lassen. Sie folgt vielmehr spontan einer inneren Regung, die Ihr sagt, was in solch einer Situation nötig ist.  Maria will Elisabeth Geborgenheit, Liebe und Zuneigung vermitteln. Ihr gerade gegebenes FIAT nimmt konkrete Form an.

Würden wir wie Maria unsere Augen und Herzen manchmal offener halten und wie sie unseren inneren Regungen folgen, könnten auch wir so manche Not der Einsamkeit lindern.

Solche Besuche und Besucher wünsche ich einem Jeden in unserer Gemeinde – nicht nur in der Weihnachtszeit!!!

Heilige Maria, Mutter Gottes – Patronin aller Einsamen – bitte für uns.