P. Lorenz Moser an der äusseren Feier des Hochfestes ULF von Einsiedeln

17.07.2022

„Hochfest unserer Lieben Frau von Einsiedeln“. Solche Hochfeste, liebe Brüder und Schwestern, gibt es auch an vielen anderen, vor allem auch an grossen Marienwallfahrtsorten, Lourdes, Fatima oder wo auch immer. Ist es denn nicht immer dieselbe Mutter Gottes, die da gefeiert wird? Ja schon, doch unterschiedlich sind der Ort, die Umstände, die Geschichte, die bildliche Darstellung und da und dort auch eine besondere Botschaft, die vorwiegend an Kinder ergangen ist. Und so steht an jedem Ort Maria in einem etwas anderen Kontext, Grund, ihr ein eigenes Fest zu weihen.

So feiern auch wir heute unser Fest, das Fest unserer Lieben Frau von Einsiedeln.

Mit der Schwarze Madonna haben wir hier in Einsiedeln ein eindrückliches Gnadenbild, das weit herum bekannt ist, und dafür sind wir sehr dankbar; was wir jedoch nicht haben, ist eine besondere Botschaft – und das ist eigentlich gut so, denn so bekommt die biblische Botschaft ein umso grösseres Gewicht, jenes Wort bei der Hochzeit von Kana, das uns Johannes von Maria überliefert hat: tut, was er euch sagt.

Diese Botschaft, diese Aufforderung Marias möchte ich in den Mittelpunkt des heutigen Festes stellen.

Tut, was er euch sagt: das setzt zunächst voraus, dass wir genau hinhören, um zu erfahren, was er uns sagt. Dazu bietet ein Benediktinerkloster den idealen Rahmen und Hintergrund, denn der hl. Benedikt erwartet vom Mönch, dass er Gott sucht und zu diesem Zweck hinhört auf die Lehren des Meisters, wie es im Vorwort der Benediktsregel heisst. Die Entstehung der Marienwallfahrt hier in Einsiedeln war eine folgerichtige Entfaltung der Gott-Suche der damaligen Mönche: Maria ruft die Pilgerinnen und Pilger dazu auf, zusammen mit den Mönchen Gott zu suchen.

Und seither sind wir miteinander unterwegs, die Klostergemeinschaft und die Schar der Pilgerinnen und Pilger – bis auf den heutigen Tag. Und wir bilden eine  grosse Gebets- und Glaubensgemeinschaft, in der wir uns gegenseitig getragen wissen.

Freilich sind die Sorgen und Nöte, die Anliegen und Erwartungen, und damit auch die Motivation so vielfältig wie die Menschen, die hierherkommen, aber alle sollten an diesem Ort so oder anders der Aufforderung Marias begegnen: tut, was er euch sagt, denn den Willen Gottes zu erfüllen ist ein und alles, und die wahre Lösung all unserer Probleme liegt letztlich darin, dass in allem Gottes Wille geschieht.

Eine solche Offenheit für Gott, diese Bereitschaft, sich immer wieder neu auf seinen Ruf einzulassen, ist ein Wesensmerkmal eines gesunden, reifen, erwachsenen Christen. Es ist das, was uns Maria vorgelebt hat, als sie bei der Verkündigung dem Engel ihr Jawort gegeben hat, und es ist das, wozu sie uns heute auffordert: tut, was er euch sagt.

Die Kraft dazu schöpfen wir nicht zuletzt aus dem gemeinsamen Gebet, sei es im feierlichen Gottesdienst, wo wir die Gemeinschaft sichtbar und hörbar erleben können, sei es im stillen Gebet vor der Gnadenkapelle, wo wir ebenfalls die Verbundenheit mit den andern stillen Beterinnen und Betern erfahren können. An diesem Wallfahrtsort sind wir nie allein; wir sind immer verbunden mit andern, die auf dem gleichen Weg unterwegs sind, und das gibt uns gegenseitig Halt, Stütze, Ermunterung und Ermutigung.

Gott suchen, nach seinem Willen fragen, neue Kraft schöpfen, um den weiteren Weg mutig zu gehen, und dies in Begleitung der Mutter Gottes, die uns diskret auf ihren Sohn hinweist, das ist es, was unseren Wallfahrtsort ausmacht; es ist überall die gleiche Mutter Gottes, aber der Akzent ist ein anderer: mögen auch viele wegen der Schwarzen Madonna hierherkommen, letztlich können und dürfen wir nicht bei ihr stehen bleiben; sie schickt uns immer weiter, hin zu ihrem Sohn: tut, was er euch sagt. Amen