Abt Urban zum Aschermittwoch 2022

02.03.2022

Liebe Schwestern und Brüder

Wer nicht gerade krank zu Hause ist, hat vermutlich die Covid-Pandemie verdrängt. Mit Angst und Schrecken sehen wir gleichsam vor unserer Haustüre einem Krieg zu. Und gerade dieses Zuschauen-Müssen macht betroffen, ja ohnmächtig. Hilflos müssen wir zusehen, wie Gewalt und Zerstörung über ein Volk hereinbrechen und viele andere Menschen in diesen Krieg hineingezogen werden, den auch sie nicht möchten.

Was können wir tun? Papst Franziskus ruft an diesem Aschermittwoch weltweit zum Gebet für den Frieden auf. Dieser Tag ist für uns in der katholischen Kirche ohnehin ein Tag des Gebets und des Fastens. Fasten und Beten lassen uns abkehren von unguten Begierden und Kräften in uns und uns zuwenden zum lebendigen Gott. Davon ist der Prophet Joel überzeugt, wenn er uns in der heutigen ersten Lesung zuruft: «Kehrt um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen!»

Dabei scheinen mir zwei Dinge wichtig. Erstens: Das heutige weltweite Gebet ist öffentlich. Kardinal Kurt Koch sagt dazu: «Wenn wir öffentlich beten, dann appellieren wir auch an das Gewissen all jener, die die Macht in der Hand haben, die Macht über Krieg und Frieden, und wir bitten sie inständig ihr Gewissen zu erforschen und dem Frieden zu dienen und nicht dem Krieg.» Das weltweite Gebet ist zudem «ein Zeichen der Solidarität, der Verbundenheit mit all jenen Menschen, die furchtbar leiden, die auf der Flucht sind und ihr Leben riskiert sehen. Dass sie wissen, sie werden mitgetragen von anderen Menschen im Gedanken und im Beten.»

Zweitens: Für Papst Franziskus sind Gebet und Fasten die «Waffen Gottes», die wir den Waffen des Krieges entgegenhalten sollen, denn Jesus habe uns «gelehrt, dass man auf die teuflischen Einflüsterungen und die teuflische Sinnlosigkeit der Gewalt» nur so antworten könne.

Darum sollen wir im Verborgenen fasten. Gleich sechsmal ruft uns das Evangelium auf, Gott ins Verborgene unserer eigenen Seele schauen zu lassen, um uns unser Zurücknehmen des eigenen Ichs zu vergelten und mit seiner Gegenwart zu erfüllen. Das Fasten, das nicht zur Schau gestellt wird, kann uns mit der Hilfe Gottes öffnen für andere. Und diese tatkräftige Hilfe für andere braucht es in den nächsten Wochen und Monaten wohl mehr, als uns lieb ist.

Meine Lieben, dieser Aschermittwoch lädt uns ein, weltweit solidarisch zu sein. Beten wir öffentlich um die Gabe des Friedens. Lassen wir uns im Verborgenen reinigen von eigenen Begierden nach falscher Anerkennung und Macht. So öffnen wir uns konkret der Not anderer. Beten und Fasten können uns damit helfen, die eigene Ohnmacht anzunehmen und unsere Hilflosigkeit in Solidarität verwandeln zu lassen. Amen.