Der neue Klosterplatz nimmt langsam Gestalt an - nun kann die letzte Bauetappe angegangen werden.
Der neue Klosterplatz nimmt langsam Gestalt an - nun kann die letzte Bauetappe angegangen werden.

Interessensausgleich bei Neugestaltung des Klosterplatzes

25.02.2022

Einsiedeln ist der meistbesuchte Wallfahrtsort der Schweiz und der Klosterplatz Einsiedeln der bedeutendste sakrale Platz nördlich der Alpen. Seit 2007 arbeiten Kloster und Bezirk Einsiedeln gemeinsam am Ziel einer Neugestaltung des Klosterplatzes. Diese soll nicht nur eine vielfältige Nutzung des öffentlichen Raumes ermöglichen, sondern auch das Miteinander von Dorf und Kloster sowie Begegnungen aller Art fördern.

Die Jahrhundertaufgabe «Erneuerung des Einsiedler Klosterplatzes» geht einen weiteren Schritt in Richtung Vollendung. Diese Woche haben Bezirk und Kloster Einsiedeln die Baueingabe für die Gestaltung des «Platz im Platz», des Herzstücks des Klosterplatzes, eingereicht.

Aufgrund von Unklarheiten bezüglich der richtigen Pflasterung des ‘Platz im Platz’ war das grosse und gute Ganze leider etwas aus dem Fokus geraten. Es ging beinahe vergessen, dass die wesentlichen Teile des Gesamtprojekts weitgehend fertiggestellt sind und dass der neue Klosterplatz weitherum als sehr gelungen beurteilt wird.

Blick zurück: Baustopp und Vergleich

Am 18. September 2019 erliess das Bildungsdepartement im Sinne einer vorsorglichen Massnahme einen Baustopp. Auf Kritik war bei der Denkmalpflege die Gestaltung des Platzes in Form einer gebundenen und geschnittenen Pflästerung gestossen. Dem Gutachten der Schweizer Fachstelle «Hindernisfreie Architektur» stand ein Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) gegenüber, welches unter anderem eine ungebundene Ausführung forderte (Sand anstelle von Mörtel), aber – in Berücksichtigung der Interessen von behinderten Menschen – einen Lösungsweg skizzierte. Dies, eine zusätzliche finanzielle Beteiligung des Kantons und die Absicht von Bezirk und Kloster, eine gemeinsame Nutzungs- und Unterhaltsregelung anzustreben, führten zum Einlenken des Bezirks. Mittels Vergleich wurde der Streit im Juni 2021 beendet.

Interessensausgleich

Die von Bezirk und Kloster seither erarbeitete Projektänderung zur Gestaltung des «Platzes im Platz» liegt seit diesem Freitag zur öffentlichen Einsichtnahme auf. Das Baugesuch wurde von der Denkmalpflege begleitet. Die Procap Bauberatung Kanton Schwyz (hindernisfreies Bauen) erhob gegen die vorgeschlagene Ausführung keine Einwände.

Die kritisierten Muldenrinnen in den hindernisfreien Wegen sind beseitigt worden. Die Wege werden zudem in einer Breite von zwei Metern ausgestaltet, lassen ein Zirkulieren um den Marienbrunnen und den Platz und auch ein Kreuzen von Rollstuhlfahrenden zu. Hinzu kommen fünf weitere, sternförmig angelegte hindernisfreie Wege von einem Meter Breite, die zum Marienbrunnen führen. Diese hindernisfreien Wege werden mit ovalen Flusskieseln in Reihenpflästerung, geschnitten, geflammt und gebunden ausgeführt. Sie entsprechen damit den bereits vom Kloster realisierten hindernisfreien Wegen vor der Klosterkirche und in den Abteihof.

Der übrige Platz wird mit eckigen Flusskieseln in Reihenpflästerung, vielfarbig, alt und neu, gespalten, zugehauen, versandet und ungebunden ausgeführt. So die korrekte fachtechnische Umschreibung.

Bezirk und Kloster als gemeinsame Eigentümer und Bauherren des Platzes gehen davon aus, mit dieser Projektänderung einen Ausgleich der zu beachtenden Interessen bewerkstelligen zu können. Ohne Kompromisse geht es nicht. Sofern nicht grundsätzliche Einwendungen erhoben werden, kann mit einer baulichen Umsetzung im kommenden Jahr begonnen werden.

«Ein Ort der Begegnung, ein Platz zum gemeinschaftlichen Verweilen»

Abt Urban Federer freut sich über diesen wichtigen Schritt: «Mit der Überarbeitung des Projekts für den ‘Platz im Platz’ versuchten Kloster und Bezirk, die verschiedenen Ansprüche und Erwartungen in ein gutes Gleichgewicht zu bringen. Wie schon beim barrierefreien Weg entlang der Klosterfassade und beim Kirchenzugang war es auch hier unser Bestreben, die Begehbarkeit und Zugänglichkeit für alle sicherzustellen. Gleichzeitig haben wir eine herausfordernde Topgraphie und hohe denkmalpflegerische Ansprüche. Die jetzt vorliegende Lösung meistert die verschiedenen Herausforderungen und schafft ein gutes Gleichgewicht der Interessen.»

In einer Würdigung des gesamten über zehnjährigen Projekts hält Abt Urban fest: «Der neue Klosterplatz ist – abgesehen von der Pflästerung im Kernbereich – weitgehend fertiggestellt. Seit zwei Jahren sehen wir: Die Leute von Einsiedeln und die Wallfahrer und Besucherinnen und Besucher aus Nah und Fern kommen gerne auf den neuen Klosterplatz. Mit seiner organischen Struktur, der neuen Treppenanlage und dem neugestalteten, von den Arkaden eingefassten ‘Platz im Platz’ ist der Klosterplatz ein Ort der Begegnung, ein Platz zum gemeinschaftlichen Verweilen. Das ist gut für Einsiedeln als Wallfahrtsort, und für Einsiedeln als Dorf mit grosser kultureller Tradition.»