P. Pascal Meyerhans zum Vierten Sonntag im Jahreskreis

30.01.2022

Kürzlich war in der Zeitung die Schlagzeile: «Erlösung oder Untergang». Zur gleichen Zeit schrieb mir jemand in einem Brief: Die Welt ist nicht heil, aber sie ist zu retten. Dieser Satz spricht nicht von Untergang, sondern von Hoffnung und Zuversicht. Dass die Welt nicht heil ist, wissen wir alle.

Ein Gast bei uns im Kloster hat mir eine ganze Zusammenstellung von Zitaten aus bekannten Zeitungen gebracht – mehr als 700. Er hat gesagt: Diese Zitate sind so eindeutig: wir sind am Ende. Wann das genau sein wird, wissen wir nicht, aber wir sind am Ende.

Wenn das jemand zu Ihnen sagt, «wir sind am Ende», was würden Sie zur Antwort geben? Ich habe gesagt. Das wissen wir nicht, ist auch gar nicht wichtig. Das schürt nur Ängste. Wichtig ist das, was wir heute am Schluss der Lesung von Jeremias gehört haben: »Ich bin mit dir, um dich zu retten.»

In verfahrenen Situationen dürfen und sollen wir Christen immer den Herrn mit-hineinbringen. Ohne ihn geht es nicht. Ohne ihn, ja da wären wir am Ende – jederzeit. Mit ihm aber sind wir in guten Händen. Im Titusbrief steht der Satz: «Wir warten auf das Erscheinen der Herrlichkeit unseres grossen Gottes und Retters.» Was wollen wir noch mehr? Das ist doch der Inhalt unseres Glaubens. Der Titusbrief fährt dann fort: «Er hat uns gerettet, nicht, weil wir Werke vollbracht hätten, die uns gerecht machen, sondern auf Grund seines Erbarmens.» Paulus würde sagen: aus Gnade seid ihr gerettet. Bei Jesus Christus gibt es immer Erbarmen, Gnade, Barmherzigkeit.

Wenn unser Leben zu Ende geht, kann niemand sich brüsten oder aus eigener Kraft vor Gott bestehen. Unsere Soll-Rechnung bleibt immer unter dem Strich. Wir sind allein durch seine Gnade und Güte gerettet, nie durch unsere Leistung.

Wenn wir Glauben haben, dürfen wir auf seine Güte und Gnade hoffen und mit Zuversicht in die Zukunft schauen, was immer auch passiert, ob wir jetzt am Ende sind oder nicht.

Noch etwas: Glaube ist immer auch Entscheidung. Der Glaube wird mir nicht nachgeworfen. Ich habe mich zu entscheiden: für oder gegen. Wenn ich mich für ihn entscheide, lässt Gott mich sicher nicht im Stich, er bringt mir viel: Zuversicht, letztlich Auferstehung, ewiges Leben. In diesem Glauben weiss ich, ich bin in Gottes Händen. Was immer auch geschieht, Gott rettet mich.

Natürlich bleiben wir trotzdem immer auch schwache Menschen, wo die Gefahr besteht, dass der Glaube abbröckelt. Im Lukasevangelium steht ganz unvermittelt der Satz: «Wird der Menschensohn, wenn er wiederkommt, noch Glauben antreffen auf dieser Welt?» Es ist alles offen. Der Satz bleibt ohne Kommentar.

Es liegt an mir, dass mein Glaube bleibt, dass er nicht abbröckelt. Durchhalten ist nicht immer so einfach. In der beständigen Begegnung mit Jesus Christus aber in der Eucharistie, im Gebet, in Taten der Liebe wird der Glaube bleiben.

Als Stütze möchte ich Ihnen das wunderbare Gedicht von Dietrich Bonhoeffer empfehlen. Vermutlich kennen sie es alle. Wir singen es auch aus dem KG. Bonhoeffer stand vor 80 Jahren als junger Mann vor dem Tod. Er wartete darauf im Konzentrationslager. Ihm war völlig klar, was kommt. Gerade deswegen schrieb er dieses wunderschöne Gebet:

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.