P. Markus Steiner zum Vierten Adventssonntag

19.12.2021

Es gab früher im Dialekt einen speziellen Ausdruck für „schwanger“: „i dr Hoffnig“. Er brachte zum Ausdruck, dass eine Schwangerschaft ein Zeichen der Hoffnung ist, auch ein Grund zur Hoffnung, dass sie eine Zukunft eröffnet, denn die Familie, das Leben geht weiter, besser hoffentlich, ein Zeichen, dass auch Gott, der letztlich dieses neue Leben schenkt, auf die Menschen hofft.

Im heutigen Evangelium sind nun gleich zwei Frauen „i dr Hoffnig“ und begegnen einander. Bei beiden ist die Schwangerschaft nicht einfach etwas Normales. Elisabeth ist von ihrem Alter her weit jenseits der Zeit, in der sie auf Kinder hoffen konnte. Kinderlosigkeit wurde damals nicht einfach als ein äusseres Schicksal betrachtet, sondern galt als eine Schande für die Frau, als ein Zeichen auch, dass Gott ihr seinen Segen entzogen habe. Dieser Makel war nun bei Elisabeth getilgt. Umgekehrt bei Maria. Sie war wohl eine ganz junge Frau. Sie war mit Joseph verlobt, der damit mehr war als das, was wir heute als „Bräutigam“ bezeichnen, sondern wirklich als ihr Mann galt. Aber sie waren noch nicht zusammengekommen. Und in dieser Situation wird sie schwanger. Joseph und auch die Aussenwelt mussten dies als Ehebruch interpretieren. Darauf stand im mosaischen Gesetz der Tod. Und doch war dieses Kind die Hoffnung der ganzen Welt. Schon im Namen „Jesus“ den der Engel nannte, kam dies zum Ausdruck, „denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen“. Diese beiden Frauen begegnen sich also, und die eine erkennt in der anderen eine von Gott Begnadete, eine auf den Weg der Hoffnung Gestellte. Und sie danken dem Herrn dafür.

Auch für uns ist der Advent eine Zeit der Hoffnung. Wir hören die grossen Verheissungen, stellen fest, dass sich vieles davon in dem Kind, das Maria von Nazareth ins Bergland von Judäa trägt, erfüllt hat, dass andres noch aussteht, wir also zusammen mit dem Volk des Alten Bundes auf dessen Erfüllung warten und hoffen. In unserem Büro im Spital Lachen hat meine Kollegin ein Wort von Karl Rahner an die Wand gehängt: „Die Tugend des Alltags ist die Hoffnung, in der man das Mögliche tut und das Unmögliche Gott zutraut.“ So haben es Elisabeth und Maria gehalten, so dürfen auch wir es halten, gerade in dunkler Zeit.