Abt Urban Federer zu „Aller-Äbte-Jahrzeit“ 2021

23.10.2021

Am 23. Oktober 2021 feierten wir mit einem Pontifikalrequiem das Jahresgedächtnis für alle verstorbenen Äbte, Mönche, Wohltäter, Pilger, Schüler, Mitarbeitenden und Angehörigen der Klosterpfarreien – kurz „Aller-Äbte-Jahrzeit“ genannt.

Diese feierliche Jahrzeit für alle mit dem Kloster Einsiedeln in irgendeiner Weise verbundenen Verstorbenen wird seit dem 15. Jahrhundert am 23. Oktober gefeiert. Dadurch bezeugen wir unsere bleibende Verbundenheit mit unseren Verstorbenen und die gemeinsame Hoffnung auf die Vollendung in Gottes Barmherzigkeit. Es ist schön zu wissen, dass auch für uns einmal jedes Jahr am 23. Oktober gebetet wird!

Hier geben wir die Begrüssung und die Kurzpredigt von Abt Urban zum Nachlesen wieder:

Begrüssung

Liebe Brüder und Schwestern

Zum Gedenkgottesdienst für alle Verstorbenen, die mit unserem Kloster verbunden waren, heisse ich sie alle ganz herzlich willkommen. Das Messgewand, das mir die Sakristane heute gegeben haben, stammt aus dem benachbarten Kloster Aus. Ich freue mich darum, dass wir heute Priorin Sr. Benedikta und ihre Mitschwestern aus dem Kloster Au unter uns begrüssen dürfen.

Beim heutigen Totengedächtnis soll nicht einfach die Trauer vorherrschen wie bei einer Beerdigung. Vielmehr soll uns heute die Dankbarkeit begleiten, die Dankbarkeit für so viele Menschen, die uns vorangegangen sind und unser Kloster zu einem Gnadenort gemacht haben, sowie auch alle Orte, die mit Einsiedeln verbunden sind.

Kurzpredigt (Lesungen: Ijob 19,1.23-27; Joh 20,11-18)

Die Figur des Ijob ist eine tragisch: Er muss lernen, dass auch durchaus Menschen Glück haben, die nicht fromm sind, und er selbst, der Gerechte, der Gottesfürchtige, mit Unglück überhäuft wird.

Ijob ist darin ein moderner Mensch. Wegen all der Sorgen und des Unglücks beginnt er an Gott und seiner Güte zu zweifeln. Ijob muss lernen, dass Gott kein Spielautomatengott ist, der unsere Wünsche erfüllt. Seine Gottesbeziehung verändert sich, muss sich verändern.

Meine Lieben, wir sollten nicht bis zu unserem Tod warten, bis wir dann Gott endlich dies und das fragen können. Die Suche nach Gott, nach einer echten Beziehung zu ihm dürfen wir jetzt wagen. Darin soll uns Ijob Ansporn sein: Am Tiefpunkt seines Lebens bricht in ihm eine viel tiefere Überzeugung durch, ein Urvertrauen, das ihn trägt und vor dem Verzweifeln bewahrt: Ich weiss, dass mein Erlöser lebt. Dieses Vertraue konnte Ijob nicht genommen werden.

So hat hier der Tod nicht das letzte Wort, auch wenn Ijob alles verloren hat. Gott lebt, er wendet sich dem Menschen zu, als Freund, wenn wir nicht aufhören, ihn zu suchen, so wie er sich als der lebendige Gott im heutigen Evangelium Maria Magdalena als Freund zuwendet und ihr schon in ihrem Leben Anteil an der ewigen Freude, am ewigen Leben gibt. Wir dürfen diese Freude hier suchen – unseren Toten ist sie in der Vollendung in aller Fülle geschenkt!