Predigt von Pater Pascal Meyerhans zum Bettag 2021

19.09.2021

Vielleicht haben Sie auch schon gehört von Ziteil. Es ist der höchstgelegenste Marien-Wallfahrtsort von Europa, im Bündnerland bei Savognin, auf 2400 m, so hoch wie der Säntis. Dort ist in der Rückwand der Kirche ein grosses Fenster und in dieses Fenster hat ein Künstler eine Christusfigur hineinkomponiert, Jesus am Kreuz. Wenn man am Altar steht, sieht man durch dieses Fenster die weite Bergwelt im Hintergrund und davor den gekreuzigten Jesus, der gleichsam mit seinen Armen all diese Berge umschliesst.

Im Evangelium heute haben wir gehört, wie Jesus seinen Jüngern gesagt hat, dass er leiden müsse. Er werde sterben, aber er werde auch auferstehen. Im Bergfenster von Ziteil ist dieser leidende Christus dargestellt, als ob er heute am Bettag die ganz Schweiz, ja nicht nur unser Land, sondern die ganze Welt umspannen wollte. Das will er auch. Er ist in diese Welt gekommen, weil er jedem einzelnen helfen möchte, nicht nur heute, sondern jeden Tag. Ihm dürfen wir alles anvertrauen, unsere Freuden, unsere guten Seiten, aber vor allem unsere Sorgen, Nöte und Schwächen.

Wir alle sind Christen. Als Christen glauben wir an Jesus. Wir können seine Hilfe annehmen oder ausschlagen. Das hängt an uns, ob wir das für wahr halten, was Jesus gesagt und für uns getan hat, oder ob wir das nicht glauben wollen. Letzthin habe ich gelesen, dass «das Christentum im Schlamassel dieser Welt untergeht. Da wäre doch ein Neustart der Kirche nötig». Ich halte das für ein Schlagwort: Neustart der Kirche. Die Kirche hat die Zusage Jesu: «Ich bin und bleibe bei euch bis zum Ende der Welt». Da braucht es keinen Neustart.

Eine Berner Theologin hat gesagt: Veränderung fängt bei einem selbst an. Wenn ein Neustart fällig wäre, dann nur bei mir. Ich soll wieder vertieft an Jesus Christus glauben, an seine Güte, seine Barmherzigkeit, seine Liebe zu mir und zu uns Menschen. Ich soll die Sakramente, vor allem das Sakrament der Eucharistie ernst nehmen, in mein Leben einbauen. Wenn Jesus Christus durch das eucharistische Brot zu mir kommt, was kann mir da noch fehlen? Ich bin und bleibe bei euch bis zum Ende der Welt. Aber eben: das ist eine Frage des Glaubens, für den wir zwar schwerwiegende Gründe haben, den aber nur ich persönlich – nicht ein anderer – in mir aufrecht halten muss, nicht mein Nachbar. Der kann mir höchstens Stütze sein. Die vorher erwähnte Theologin hat zu ihrem Satz noch beigefügt: Christentum ist kein Hobby, sondern ein Lebensstil. Diesen Lebensstil habe ich in mir zu verwirklichen, und zwar so, dass er nicht langweilig, sondern attraktiv ist für mich und die andern. Da wäre ein Neustart wohl ganz gut. Ein Neustart gelingt aber nur durch einen von mir gelebten Glauben und – es ist eigenartig – christlicher Glaube hat wohl immer auch mit Leiden zu tun. Dem Leiden auszuweichen und gerne dem andern übertragen, ist gewöhnlich immer leichter und bequemer als das Schwere selber zu tragen und durchzustehen.

In Ziteil ist es der leidende, gekreuzigte Christus, der die Welt umspannt, der mich in seine Arme schliessen möchte. Von meiner Seite braucht es dazu eigentlich nur wenig: das Ja zu dieser Liebe – und den Durchhalte-Willen, der zwar nicht leicht ist, der mir nach dem Tod aber etwas Grossartiges verheisst: Auferstehung, ewiges Leben. Genauso wie es Jesus heute bei seiner Leidensankündigung ebenfalls sagt: Er werde auferstehen.

Das von Pater Pascal erwähnte Fenster der Wallfahrtskirche Ziteil (GR). Quelle: Webseite www.franciscan.ch

Das von Pater Pascal erwähnte Fenster der Wallfahrtskirche Ziteil (GR). Quelle: Webseite www.franciscan.ch