"So spricht Gott, der Herr: Ich selbst nehme ein Stück vom hohen Wipfel der Zeder und pflanze es ein. Einen zarten Zweig aus den obersten Ästen breche ich ab, ich pflanze ihn auf einen hoch aufragenden Berg. Auf die Höhe von Israels Bergland pflanze ich ihn. Dort treibt er dann Zweige, er trägt Früchte und wird zur prächtigen Zeder." Ez 17,22f.
"So spricht Gott, der Herr: Ich selbst nehme ein Stück vom hohen Wipfel der Zeder und pflanze es ein. Einen zarten Zweig aus den obersten Ästen breche ich ab, ich pflanze ihn auf einen hoch aufragenden Berg. Auf die Höhe von Israels Bergland pflanze ich ihn. Dort treibt er dann Zweige, er trägt Früchte und wird zur prächtigen Zeder." Ez 17,22f.

Predigt am 11. Sonntag im Jahreskreis 2021

14.06.2021

Am Sonntag, 13. Juni 2021 hielt Pater Georg Liebich folgende Predigt:

«Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos.» Dann und wann veranlasst eine Situationsanalyse, das Resultat so wiederzugeben. Feststeht dabei jeweils am ehesten der Ernst, ungewiss ist die Hoffnung. Wie lautet unsere Situationsanalyse? Betreffend Pandemie schimmert Hoffnung durch. Gott sei Dank! Weltweit ist sie gedämpft. Milliarden erschwinglicher Impfdosen fehlen. Die Langzeitfolgen sind nicht abzuschätzen.

Anderes Ernstes ruft gerade an diesem Wochenende nach angemessenen Entscheidungen: Gesundheitsschutz, Klimawandel, – Zukunft Landwirtschaft, Ernährungssicherung, Naturschutz. Ernste Situationen zuhauf global, privat und persönlich. Wie ist der Anteil an Hoffnung?

Da hinein und in vielfältig andere Schatten in unserem Dasein hinein trifft das Wort Gottes in den Lesungen von heute auf uns:

Der Prophet Ezechiel verkündet: «So spricht der Herr: ich selbst nehme vom hohen Wipfel der Zeder einen zarten Zweig und pflanze ihn ein auf dem hohen Berg Israels. Dort treibt er Zweige, er trägt Früchte, er wird zur prächtigen Zeder. … Alle Vögel wohnen im Schatten seiner Zweige.

Die Zeder mit ihrer Grösse, Dauerhaftigkeit, Vitalität und Mächtigkeit, – in der Bildsprache des Propheten ist sie Sinnbild eines Königtums, das Beständigkeit, Lebensraum und Schutz garantiert. Die Situation, in die hinein Ezechiel im 6. Jahrhundert vor Christus zum Volk spricht, ist das Gegenteil von all dem. Die Zeder Israels ist gefällt, der König Zidkija ist nach Vertragsbruch und verlorenem Krieg gefangen, die Elite des Landes nach Babel deportiert und zerstreut. Keine Aussicht auf Heimkehr. Niedergeschlagenheit, Resignation macht sich breit.

In diese aussichtslose Situation hinein verheisst Gott durch den Propheten einen neuen Anfang nach dem Exil. Ohne Vorleistung schenkt er blühende Zukunft, Leben im Übermass. Nicht Machthaber bestimmen das. Er allein ermöglicht neues Leben. Er pflanzt einen neuen Zederzweig und lässt ihn wachsen zu einem mächtigen, prächtigen Baum, alle Arten Vögel wohnen in ihm. Gott begründet eine neue Königsherrschaft, unter der alle Völker Schutz und Raum zum Leben finden. Eine messianische Vision.

Von der Königsherrschaft, dem Reich Gottes, spricht auch Jesus. Gottesreich – das ist, wenn Gott für die Menschen ganz der sein kann, der er ist, – wenn der Mensch ganz zu dem wird, als der er von Gott gedacht und geschaffen ist. Gottesreich ist, wenn es stimmt zwischen Gott und den Menschen, darum auch zwischen den Menschen untereinander und bei jedem Einzelnen mit sich selbst. Reich Gottes ist uns mit dem Leben als grösste Sehnsucht eingehaucht.
In Bildern aus der Erlebniswelt seiner Hörer, drückt Jesus den Anbruch und das Wachsen des Reiches Gottes aus.

«Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf den Acker sät.» Er schläft, Nächte und Tage vergehen. Der Same keimt, wächst. Der Mann weiss nicht wie. Von selbst, «automate» steht im Griechischen, ohne sein Zutun bringt die Erde den Halm hervor, die Ähre, das volle Korn in der Ähre. Wenn die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; Die Ernte ist da. Wie der Same, einmal ausgesät, von selbst wächst, unaufhaltsam, mit einer Kraft, über die man nur staunen kann, so wächst die Herrschaft Gottes, einmal angebrochen, wie von selbst, unaufhaltsam, mit einer Kraft und Zielstrebigkeit, die nur Gott eigen ist.

Dieses unerschütterliche Vertrauen beseelt Jesus. Er will es auch in uns entfachen. Dabei ist er selber nicht von Erfolg verwöhnt. Von Anfang seines Wirkens an setzt er alles daran, Nähe Gottes zu vermitteln, Reich Gottes zu verwirklichen. Prompt erfährt er den Widerstand der Religionshüter. Er richtet Menschen auf, treibt Ungeister aus – und es wird ihm unterstellt, mit dem Herrscher der Dämonen unter einer Decke zu stecken, er vergibt Sünde – und er wird der Gotteslästerung bezichtigt, er heilt Kranke – trotz Sabbat –  und man beschliesst, ihn umzubringen.

Erstaunlich, wie er, bis dann in seinen Tod hinein, getragen bleibt, von dem Vertrauen, dass seine Saat aufgeht, dass Gottes Reich sich durchsetzt.
Dasselbe Vertrauen möchte er in seinen Hörern, in uns wecken, Vertrauen, das uns hindurchträgt, auch durch die Tiefen ernster, oder gar hoffnungsloser Widerfahrnisse. Wenn dann, getragen von Vertrauen, unter uns das Gottesreich wächst und herangereift ist, wird Ernte gefeiert, ist Freudenfest.

Ich kann es nicht verkneifen. Nochmals zum Bild der Zeder: Es ist beschlossene Sache, die komischen Vögel, die wir als Menschen alle sind, finden Schutz und Leben in den Zweigen der prächtig herangewachsenen Zeder. Ob Jesus sie mit einem Augenzwinkern zu einer Senfstaude schrumpfen liess, die im Garten Gottes aus kleinem Samen gross geworden ist, für jeden erschwinglich. Ob Zeder oder Staude, den Vögeln wird auf jeden Fall wohl sein. Freuen wir uns darauf! Gottvertrauen!