"Wir dürfen Jesu zärtlichen Umgang Jesu mit den Füssen seiner Apostel auch auf uns – und ja, sogar auch auf unsere Füsse! – beziehen. Sie sind dem Sohn Gottes unendlich kostbar, weil sie die Füsse seiner Freunde sind!"
"Wir dürfen Jesu zärtlichen Umgang Jesu mit den Füssen seiner Apostel auch auf uns – und ja, sogar auch auf unsere Füsse! – beziehen. Sie sind dem Sohn Gottes unendlich kostbar, weil sie die Füsse seiner Freunde sind!"

Predigt in der Abendmahlsfeier am 1. April 2021

01.04.2021

Zum Auftakt des «Österlichen Triduums» am Abend des Hohen Donnerstags hielt P. Philipp Steiner OSB folgende Predigt:

«Die Fusswaschung entfällt. Der dienende Christus ist gegenwärtig in allen Menschen, die besonders in diesen Tagen die Nächstenliebe leben.»

So, liebe Brüder und Schwestern, heisst es lapidar im Dokument «Empfehlungen der Schweizer Bischofskonferenz für die Feier der Heiligen Woche». Und ich würde sagen: Damit hat man den Nagel auf den Kopf getroffen!

Zwar liebe ich persönlich die Sinnlichkeit unserer Liturgie, die gerade während des «Österlichen Triduums» alle Register zieht, doch in Anbetracht der Schutzbestimmungen rund um das Coronavirus kann ich mit diesem Verzicht gut leben. Und ich glaube, auch alle «Freunde kurzer Gottesdienste» unter meinen Mitbrüdern werden der verunmöglichten Fusswaschung durch Abt Urban keine Träne nachweinen…

Doch die Liturgie will ja mehr, als einfach Episoden aus dem Leben Jesu nacherzählen oder nachspielen. Sie will diese vergegenwärtigen und uns in das Geschehen hineinnehmen. In der Liturgie werden wir Teil der Heilsgeschichte.

So bin ich dankbar, in einem derart pragmatischen Schreiben der Schweizer Bischöfe einen so theologisch gehaltvollen Satz zu finden wie den eingangs gehörten. Mit diesem Hinweis wird die Feier von heute Abend in einen grösseren Kontext gestellt, welcher die Mauern unserer Gotteshäuser und der darin gefeierten Gottesdienste weit übersteigt. Und wir erkennen, dass in dieser herausfordernden Zeit viele Menschen den Liebesdienst Jesu mitvollziehen und konkret erfahrbar machen.

Liebe Schwestern und Brüder,

Mit diesem Gottesdienst sind wir in die Feier von Jesu Leiden, Tod und Auferstehung eingetreten. Die Kirche begeht die Feier des «Triduum Pachale» ganz bewusst als eine einzige Feier. Und der Gottesdienst, den wir nun feiern, ist in gewissem Sinne eine komprimierte Zusammenfassung von dem, was in den kommenden Tagen in der gottesdienstlichen Feier vergegenwärtigt wird.

Die Fusswaschung und das Brechen des Brotes sind Zeichen, die sich am Karfreitag an Jesus leibhaftig vollziehen. Dass das gebrochene Brot aber Leib des Herrn ist, wie es den Jüngern von Emmaus am Osterabend wie Schuppen von den Augen fällt, verweist jedoch bereits auf die Auferstehung.

Wenn Jesus am Abend vor seinem Leiden sein Gewand ablegt, sich mit dem Leinentuch umgürtet, sich tief hinabbeugt und seinen Jüngern die Füsse wäscht, dann nimmt er die Erniedrigung durch sein Leiden und seinen Tod voraus. Er macht sich klein, um uns gross zu machen.

Indem Jesus die schmutzigen Füsse eines jeden einzelnen Apostels in seine Hände nimmt, sie mit Wasser übergiesst und sie trocknet, zeigt er, welche Würde diese Füsse haben. Wir dürfen diesen zärtlichen Umgang Jesu mit den Füssen seiner Apostel auch auf uns – und ja, sogar auch auf unsere Füsse! – beziehen. Sie sind dem Sohn Gottes unendlich kostbar, weil sie die Füsse seiner Freunde sind!

Doch die Fusswaschung ist nicht nur ein Geschehen zwischen Jesus und den Aposteln oder zwischen Jesus und uns. Das Geschehen der Fusswaschung nimmt uns auch in die Pflicht. Es ruft uns zur Nachahmung des Handelns Jesu, der sagt: «Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe» (Joh 13,15). Die vergangenen zwölf Monate haben viele Menschen inspiriert, anderen Menschen liebevoll, aufmerksam und zuvorkommend zu begegnen. Es wurde und wird Grossartiges geleistet. Als Christinnen und Christen haben wir das Privileg, unser Tun in den Horizont des Heilswirken Jesu zu stellen. Dies verleiht unserem Handeln Tiefgang und Sinnhaftigkeit weit über die reine Mitmenschlichkeit hinaus. Und damit schreiben wir die Heilsgeschichte im Heute fort!

Liebe Brüder und Schwestern,

Wir haben zu Beginn des Evangeliums die wunderbaren Worte gehört: «Da er die Seinen liebte, die in der Welt waren, liebte er sie bis zur Vollendung» (Joh 13,1). Diese Worte eröffnen jeweils auch den Einsetzungsbericht im Vierten Eucharistischen Hochgebet. So wird der Bogen von der Fusswaschung zur Hingabe Jesu in der Eucharistie geschlagen, deren Einsetzung im Letzen Abendmahl wir ja heute ebenfalls gedenken und in die wir – wie bereits gesagt – nun selbst hineingenommen werden. Doch hier berühren wir ein Dilemma. Denn viele Menschen müssen der Eucharistie aktuell entbehren. Die staatlichen Einschränkungen und die Gefahren der Pandemie zwingen viele Menschen zur eucharistischen Abstinenz. Doch der heutige Abend zu Beginn der «Heiligen Drei Österlichen Tage» erinnert uns daran, dass wir das Wirken Gottes und die Gegenwart Jesu nicht auf die Heilige Messe reduzieren dürfen:

«Die Fusswaschung entfällt. Der dienende Christus ist gegenwärtig in allen Menschen, die besonders in diesen Tagen die Nächstenliebe leben.»

Danke, dass auch Sie in der Kraft Ihrer Taufberufung Jesus Christus gegenwärtig setzen!

Amen.