Jesus lässt seine Seitenwunde von Thomas berühren. Gemälde von Caravaggio (1602).
Jesus lässt seine Seitenwunde von Thomas berühren. Gemälde von Caravaggio (1602).

Predigt am Weissen Sonntag 2021

11.04.2021

Am „Weissen Sonntag“, 11. April 2021 predigte P. Markus Steiner über das Sonntagsevangelium, in dem es um die Begegnung des Apostels Thomas mit dem Auferstandenen geht. Hier können Sie die Predigt nachlesen:

Am Ostermontag hat von diesem Ambo aus P. Ansgar über die Geschichte von den Emmaus-Jüngern gepredigt. Ich zitiere aus seinen Worten: „Für nicht wenige ist die Emmauserzählung die schönste Stelle in der Bibel überhaupt. Es gibt mindestens drei Gründe dafür.

Erstens ist es die geheimnisvolle, spannende, fast abenteuerliche Stimmung der Emmauserzählung, die durch das ungewöhnliche Verhalten Jesu erzeugt wird. Jesus lässt sich nicht sofort erkennen.

Zweitens trägt das in der Emmaus-Geschichte aufgegriffene Motiv des Weges zu ihrer grossen Popularität bei, der Umstand, dass Jesus und die beiden Jünger unterwegs sind.

Drittens findet die Geschichte vom Gang nach Emmaus unseren Zuspruch, weil die Emmaus-Jünger viele Ähnlichkeiten mit uns haben.“

Ich kann P. Ansgar nur zustimmen.

Langsam werden Sie jetzt denken, der soll doch nicht über die Emmaus-Jünger predigen, sondern über die Texte zum Weissen Sonntag. Und es wäre an der Zeit, dass er mal etwas Eigenes sagt.  Nun, die Geschichte des ungläubigen Thomas hat sehr viel mit der der Emmaus-Jünger gemein. Auch sie ist populär, auch sie prägt sich sehr schnell ein. Was Lukas kann, das kann auch Johannes, eine packende Erzählung gestalten. Auch er baut eine Spannung auf, auch bei ihm gibt es eine Peripetie, eine überraschende Wendung.

Zum Motiv des Weges findet sich allerdings bei der Thomas-Erzählung nichts Vergleichbares. Immerhin gibt es doch ein gemeinsames Motiv: die unerwartete Begegnung mit dem Aufer­standenen, subtiler vielleicht bei den Emmaus-Jüngern.

Volle Übereinstimmung gibt es dann wieder bei P. Ansgars drittem Punkt, den „vielen Ähnlichkeiten mit uns“. Auch wir haben unsere Schwierigkeiten mit dem Glauben an die Auferstehung. Sie wider­spricht ja all unserer Erfahrung. „Es ist noch keiner zurückgekommen“, kann man gelegentlich hören. Andererseits gilt, was Paulus an die Korinther schreibt: „Wenn Christus nicht auferweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos.“ Dann „sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen.“ Die Auferstehung ist also wirklich die Pièce de résistence unseres Glaubens. In dieser Situation möchten die Evangelien uns helfen und bieten uns die Emmaus-Jünger und Thomas als Identifikationsfiguren an, die auch nicht ohne Weiteres an die Auferstehung glaubten. Ihr Zeugnis soll unseren Glauben stärken. Bei den Emmaus-Jüngern gibt es zusätzlich noch den Hinweis auf das Brotbrechen. An ihm kann man den Herrn erkennen. Wenn er uns das Brot bricht, können wir ihn erkennen. Aber als ihn die Jünger erkennen, entzieht er sich ihnen sofort wieder. Es gilt auch hier, was Jesus bei Johannes sagt: „Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben.“

Hält man die beiden Evangelienabschnitte nebeneinander, so erhellen sie sich gegenseitig. Sie möchten uns zeigen: Die Kunde von der Auferstehung Jesu ist nicht nur eine schwierige, sondern auch ein frohe, tröstende und stärkende Botschaft.