Predigt am Ostermontag 2021

05.04.2021

Am Ostermontag, 5. April 2021, richtete Pater Ansgar Schuler OSB folgende Predigtworte an die Gottesdienstgemeinde:

Es gehört zum Ostermontag wie die Osterfeier zum Osterfest: das Evangelium von den Emmausjüngern, die Geschichte vom auferstandenen Jesus, der unerkannt mit den Jüngern den Weg nach Emmaus geht.

Für nicht wenige ist die Emmauserzählung die schönste Stelle in der Bibel überhaupt. Es gibt mindestens drei Gründe dafür.

Erstens ist es die geheimnisvolle, spannende, fast abenteuerliche Stimmung der Emmauserzählung, die durch das ungewöhnliche Verhalten Jesu erzeugt wird. Jesus lässt sich nicht sofort erkennen.

Wie einst Josef in Ägypten gegenüber seinen Brüdern, verstellt er sich gegenüber seinen Jüngern. Diese untypische, einmalige Haltung Jesu überrascht Zuhörer, die es nicht gewohnt sind, Jesus in einer solchen Rolle zu sehen.

Zweitens trägt das in der Emmaus-Geschichte aufgegriffene Motiv des Weges zu ihrer grossen Popularität bei, der Umstand, dass Jesus und die beiden Jünger unterwegs sind.

Drittens findet die Geschichte vom Gang nach Emmaus unseren Zuspruch, weil die Emmaus-Jünger viele Ähnlichkeiten mit uns haben.

Gläubige Menschen haben sich seit jeher in den Emmaus-Jüngern wiedererkannt. Wie sie sind wir oft unterwegs, unser ganzes Leben lang, oft enttäuscht und ohne Hoffnung. Wie sie, so begleitet Jesus auch uns, ohne dass wir ihn erkennen.

Der Begleiter geht den falschen Weg mit, er geht mit ihnen die verkehrte Richtung, weg vom Ort der Auferstehung, des Lebens und des Glücks. Er begleitet sie einfach auf dem Weg der Trauer.

Wie oft befinden wir uns in ähnlichen Situationen. Angst und Verzweiflung packen uns, weil unsere Pläne nicht aufgegangen sind. Wir fühlen uns einsam und entscheiden uns für Wege, die in die falsche Richtung führen.

Die beiden Jünger blieben auf ihrem Weg nach Emmaus offen für die Worte und Zeichen des Fremden. Sie sperrten sich nicht gegen die Gedanken, die er ihnen vortrug.

Darum waren sie auch zur Umkehr fähig. Unter den Zeichen und Worten des Fremden konnten sie erkennen, dass man das Schicksal auch anders deuten kann.

Als ihnen die Augen aufgingen, bezogen sie den auferstandenen Christus in ihr Leben ein. Von nun an sahen sie ihr Schicksal in einem anderen Licht.

Das ist die tröstliche Botschaft der Jünger von Emmaus: dass wir sogar geführt werden auf den Wegen, die wir selbst gewählt haben.

Auch uns erschliesst Jesus den Sinn der Schrift und bricht er das Brot, auch jetzt wieder in diesem Gottesdienst.

Wir werden anschliessend die Kirche verlassen und nach Hause gehen. Ostern soll damit nicht für uns zu Ende sein. Wir sollen unseren Osterglauben nicht für uns behalten.

Wie diese Emmaus-Jünger sollen wir die anderen wissen lassen: „Der Herr ist wahrhaft auferstanden. Das Leben hat den Tod besiegt, die Liebe über den Hass triumphiert.“ Amen.