Die Salbung mit Chrisam gehört zum Taufritus. In seiner Predigt sagt Abt Urban dazu: "Unser Glaubensleben ist auf die Beziehung mit diesem Gott hin gesalbt, der rettet und von Sünde befreit, von der Abhängigkeit von uns selbst."
Die Salbung mit Chrisam gehört zum Taufritus. In seiner Predigt sagt Abt Urban dazu: "Unser Glaubensleben ist auf die Beziehung mit diesem Gott hin gesalbt, der rettet und von Sünde befreit, von der Abhängigkeit von uns selbst."

Predigt von Abt Urban am Palmsonntag 2021

28.03.2021

Am Palmsonntag, 28. März 2021, hielt unser Abt Urban im Rahmen eines festlichen Pontifikalamts zu Beginn der Heiligen Woche folgende Predigt:

Mit dem Palmsonntag, liebe Schwestern und Brüder, treten wir als Glaubende ein in die wichtigste Zeit des Kirchenjahres: in die Erinnerung an das Leiden, den Tod und an die Auferstehung unseren Herrn Jesus Christus. Dabei steht in der heutigen Eucharistiefeier das Markusevangelium im Mittelpunkt, das älteste und kürzeste der vier Evangelien. Bei allen Unterschieden der Evangelien: die Leidensgeschichte Jesu ist bei allen vier der eigentliche Kern – oder ich könnte sogar sagen: das Ziel – ihrer Botschaft. Im Markusevangelium sind ganze zwei Kapitel der Leidensgeschichte gewidmet. Davon haben uns die drei Kantoren das zweite Kapitel vorgesungen, nicht aber das erste – sonst wären sie jetzt noch am Singen. Dennoch möchte ich mit Ihnen zusammen einen Blick in das erste der beiden Kapitel aus der Passionsgeschichte nach Markus werfen, um besser verstehen zu können, was uns dieser Evangelist für unser Glaubensleben mit auf den Weg geben möchte.

Wie bei Matthäus beginnt bei Markus die Leidensgeschichte mit der Feststellung, die Hohenpriester und Schriftgelehrten wollten Jesus töten lassen (vgl. Mk 14, 1f.). Dann eröffnet die Passion aber eine Szene voller Intimität und Schönheit: Eine Frau kommt mit einem wertvollen Behälter, einem Alabastergefäss «voll echten, kostbaren Nardenöl» und giesst dieses gutriechende Öl über das Haupt von Jesus (vgl. ebd., 3–9). Das ganze Haus muss danach gut gerochen haben. Markus erzählt uns von einer überbordenden Tat einer unbekannten Frau, aus der viel Liebe spricht. Die Leidensgeschichte Jesu beginnt im Markusevangelium mit einer verschwenderischen Tat der Liebe, die wohl aus einer tiefen Dankbarkeit und dem Gefühl des Angenommenseins kommt. Die Leidensgeschichte nach Markus ist also von Anfang an nicht eine Kette von geschichtlichen Fakten, sondern ein Beziehungsgeschehen.

Sind nicht auch wir, liebe Schwestern und Brüder, alle an unserem Kopf mit diesem Öl der Liebe gesalbt worden? Noch heute salbt die Kirche in der Taufe und in der Firmung, aber auch in der Krankheit und beim Aufbau der Kirche: in der Weihe. Sie salbt den Altar für das Mahl der Liebe. Unser Glaubensleben ist auf die Beziehung mit diesem Gott hin gesalbt, der rettet und von Sünde befreit, von der Abhängigkeit von uns selbst. In die Glaubenswahrheiten dieser heiligen Woche sind wir demnach über unsere Salbung hineingenommen. Wir sind gesalbt in unserer Beziehung mit Gott: auf das Leiden, die Kreuzigung und die Auferstehung unseres Herrn hin. Diese Beziehung führt uns ganz persönlich und als Gemeinschaft der Glaubenden zum Leben in der Hoffnung und in die Realität von Ostern.

Die Kritik an dieser Auffassung von Glauben als Beziehungsgeschehen könnte von unserer säkularisierten Gesellschaft her kommen: Die Kirche hat doch nur einen Sinn, wenn sie anderen hilft, etwa in ihren Hilfswerken. Das sagen ja schon die Worte des Markusevangeliums: «Wozu diese Verschwendung? Man hätte das Öl um mehr als dreihundert Denáre verkaufen und das Geld den Armen geben können.» Jesus korrigiert diese Sicht: Natürlich müsst ihr für die Armen da sein und die werdet ihr immer um Euch haben. Aber der eigentliche Grund dafür, warum sich Christinnen und Christen für andere einsetzen, ist die Beziehung mit dem gekreuzigten und auferstandenen Christus. Vor dem Hintergrund dieser Hingabe und Hoffnung können wir uns einsetzen.

Darum, meine Lieben, ist es auch wichtig, dass diese Liebe zu Gott, die am Anfang der Leidensgeschichte mit einer Salbung beginnt, nicht ein unbestimmtes Gefühl bleibt. Genau nach der Mitte der ganzen Passionsgeschichte nach Markus werden wir aufgefordert, nicht nur einem Gefühl zu folgen, sondern eine Person zu bekennen, den Gottessohn: «Da wandte sich der Hohepriester nochmals an ihn und fragte: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? Jesus sagte: Ich bin es. Und ihr werdet den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und mit den Wolken des Himmels kommen sehen. Da zerriss der Hohepriester sein Gewand und rief: Wozu brauchen wir noch Zeugen? Ihr habt die Gotteslästerung gehört» (Mk 14, 61–64). Sind es nicht oft Menschen, die gar nicht aus unserer Gemeinde, aus unserer Glaubensgemeinschaft sind, die uns herausfordern, unseren Glauben genauer in Worte zu fassen? Unsere Liebe zu bekennen? Es ist der Hohepriester, der hier Jesus als den Christus, also den Messias bezeichnet, den Sohn des höchsten Gottes. Nicht viel anders sagt es die heutige Lesung, der urchristliche Hymnus aus dem Philipperbrief, der älter als das Markusevangelium ist, wenn er ausruft: Jeder Mund soll bekennen: «’Jesus Christus ist der Herr’ – zur Ehre Gottes des Vaters.» Und am Ende der Passionsgeschichte – und diesen Abschnitt haben wir vorhin schön gesungen gehört – ist es wieder ein Fremder, ein römischer Hauptmann, der über den toten Jesus sagt: «Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn.»

Die unbekannte Frau salbt Jesus nicht irgendwo. Die liebende Beziehung mit diesem gekreuzigten und auferstandenen Christus nimmt in der Leidensgeschichte nach Markus ihren Anfang im Haus Simon des Aussätzigen. Dieser heisst so, weil er wohl einen Aussatz, eine Seuche überlebt hat. Der Rahmen der Leidensgeschichte nach Markus ist darum die Dankbarkeit, die aus dem Leiden kommt, aus der Abgrenzung und dem Eingesperrt-Sein einer Epidemie heraus. Wir dürfen also auch im Leiden hoffen. Seit unserer Taufe sind wir gesalbt in diese Person hinein, die Gottes Sohn ist: Jesus Christus. Diese Beziehung soll in dieser Woche nun auch eine Kraft entwickelt, die uns weiter verändert: auf das österliche Leben und damit auf Hoffnung hin.

Amen.