Jesus heilt die Schwiegermutter von Petrus. Skizze von Rembrandt.
Jesus heilt die Schwiegermutter von Petrus. Skizze von Rembrandt.

Predigt von Pater Pascal zum 5. Sonntag im Jahreskreis

07.02.2021

Am Sonntag, 7. Februar, hielt Pater Pascal Meyerhans folgende Predigt über das Evangelium vom 5. Sonntag im Jahreskreis:

Ich habe einen Bruder daheim, der durch einen Schlaganfall seit sieben Jahren nicht mehr gehen und reden kann. Wie gerne würde ich ihn zu Jesus bringen, der ihn wie die Schwiegermutter des Petrus heilen könnte. Aber das sind Wunschgedanken, die nicht in Erfüllung gehen, obwohl es heisst, wenn du wirklich Glauben hast, ist dir alles möglich.

Es war ein Privileg der damaligen Mitmenschen von Jesus, dass sie ihn bei sich hatten. Er kam in diese Welt, um den Menschen zu helfen. Er zeigte ihnen, wer er ist: er ist Gott, dem alles möglich ist. So hat er Kranke geheilt. Trotzdem ist Jesus nicht in die Welt gekommen, um uns Menschen das Schwere, das Leid, die Sorgen abzunehmen. Stellen wir uns vor, wie oberflächlich wir alle würden ohne Leid, Kummer und Krankheit, ohne das Schwere. Jesus wollte zeigen, wie all das getragen werden kann. So hat er selbst das Kreuz auf sich genommen, wurde oft aberkannt und verachtet, hat für die Menschen gelitten und ist für sie gestorben.

Einige wenige damals hatten das Glück, dass sie von Krankheiten befreit wurden, aber das Letzte, das Schwerste, das Sterben hat Jesus ihnen nicht erspart. Das wartete und wartet auf jeden und jede von uns, eigenartigerweise auch auf Jesus. Was aber wirklich alle Grenzen sprengt, ist das Allerletzte, was uns Jesus schenken wollte: der Tod ist nicht das Ende, das Letzte, das Aus. Wer an Jesus glaubt, wird leben. Wenn wir an ihn glauben, wartet auf jeden von uns die Auferstehung, das ewige Leben. Ist das nicht ein Geschenk, das alles übertrifft, was wir je an Schwerem auf dieser Welt durchgemacht haben?

Letzten November wurde im Fernsehen der Film «Gott» gezeigt. Er handelt über Sterbehilfe. Ein älterer Mann, der seine Frau verloren hat, wollte nun auch sterben. Seine Ärztin gab ihm aber die nötigen Medikamente dazu nicht. In diesem Film geht nun die Diskussion von Experten über dieses Problem. Ist das erlaubt oder nicht, aktiv Sterbehilfe zu leisten? Dabei kommen seine Ärztin zur Sprache, die es nicht verantworten kann, ihm die Medikamente zu geben, dazu eine Rechtsgelehrte, ein Facharzt, ein Bischof und der Anwalt des Mannes, der seinem Leben ein Ende machen möchte. Der Bischof hatte es nicht leicht. Er wird vom Anwalt schwer in die Zange genommen, von allen Seiten angegriffen, antwortet aber souverän. Was mich dabei sehr beeindruckt hat, waren in den Ausführungen des Bischofs die beiden Sätze: Leben ist Leiden und Leiden ist Reinigung. Auf dieser Welt findet keiner das Paradies, das kommt aber noch – nach dem Tod. Ist das nicht gerade das, was Jesus uns brachte? Dazu braucht es aber, was von allen Gesprächspartnern eingesehen wurde, dazu braucht es den Glauben. Der Anwalt des Klienten hat am Ende gestanden, dass ihn die Worte des Bischofs sehr beeindruckt hätten. Er hätte aber den Glauben nicht.

Ich bin überzeugt, mein Bruder, der es wirklich nicht leicht hat, hat diesen Glauben. Der wurde ihm im Elternhaus beigebracht. Und dieser Glaube wird ihn und hoffentlich uns alle einmal trotz aller Tränen und Sorgen über die Runden bringen. Das wäre mein Wunsch.