Predigt von Abt Urban am Aschermittwoch 2021

17.02.2021

Der Aschermittwoch eröffnet heute die diesjährige Fastenzeit. Abt Urban hat im Rahmen des Konventamts um 11.15 Uhr folgende Worte an die Mitfeiernden gerichtet:

Liebe Schwestern und Brüder

Wäre der Aschermittwoch ein Mensch, er wäre das perfekte Mobbing-Opfer. Wir würden ihn schikanieren, ja quälen, denn der Aschermittwoch ist der perfekte Spielverderber, das Muster eines Spasszerstörers, ein Party-Killer. Nicht nur der Fastnacht macht er ein abruptes Ende. Statt dass er auf Feste setzt, spricht er von unserem Ende: «Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.» Ist der Aschermittwoch nicht selbst schuld, wenn ihn niemand mag?

Nun kommt dem Aschermittwoch ausgerechnet eine Pandemie zu Hilfe. Die Fastnacht hat nicht stattgefunden – also fast nicht. Partys gibt es ebenfalls nicht – ausser vielleicht in unserem Kanton. Und der Spass ist der Sorge gewichen, wie wir nicht nur körperlich, sondern auch psychisch und seelisch gesund durch diese Zeit kommen. Dafür ruft uns das Buch Joël zu: «Kehrt um zu mir von ganzem Herzen». Warum ruft der Aschermittwoch dazu auf, zu Gott umzukehren? Gott kann uns geben, was unsere verletzte Seele braucht, sagt uns die Lesung: Barmherzigkeit, Geduld, Heil. Gott kann uns heilen, doch dafür müssen wir uns Gott öffnen. Die Umkehr zu Gott ist dabei nicht etwa langweilig, sondern eine Entdeckungsreise, weil es um eine Beziehung geht. Und in Beziehungen wissen wir nie, was noch kommt. Beziehungen bleiben interessant, wenn wir uns eingestehen, das Gegenüber nie ganz zu kennen, sondern immer neu entdecken zu müssen und zu wollen. Und Gott sollen wir dem Aschermittwoch gemäss als leidenschaftlichen Gott entdecken: «Da erwachte im HERRN die Leidenschaft für sein Land und er hatte Erbarmen mit seinem Volk», lautet der letzte Satz der Lesung.

Meine Lieben, der Aschermittwoch will nicht von der Freude wegführen und ist damit kein Freude-Killer, sondern will zu einer leidenschaftlichen Beziehung mit Gott hinführen. Dafür sollen wir, sagt das Evangelium, uns schön machen und sogar gut riechen. Gott kann uns heilen, etwa von unserem Stress, dauernd von aussen her bestimmt zu sein: Wie sieht mein Bild auf Instagram aus, wie oft werde ich auf Facebook gelikt? Die Fastenzeit möchte für uns eine Chance sein, unseren wahren Sehnsüchten nachzugehen, wenn wir uns eben eingestehen, dass wir Staub und damit endlich sind. Packen wir die Zeit, die uns bis zu unserem Ende gegeben ist und entdecken wir die Leidenschaft Gottes für unsere Heilung. Aber nicht nur für uns. Papst Franziskus ruft uns zu: «Die Fastenzeit ist die Zeit, die die Sinne schärft, die Augen öffnet für das viele Unrecht, das Herz für unsere Geschwister, die leiden.» Auch der Einsatz für die anderen – gerade in dieser Pandemiezeit – braucht unsere Leidenschaft.