Predigt zum Hochfest Erscheinung des Herrn 2021

09.01.2021

Am 6. Januar gedenken wir der Erscheinung des Herrn, wie er sich den Weisen aus dem Osten als kleines Kind zeigt. Jesus ist das Licht, das die Heiden erleuchtet. Aus diesem Grund hielt P. Markus eine Predigt, in welcher er das Thema „Licht“ in der Heiligen Schrift in den Mittelpunkt seiner Betrachtung stellte:

Ich bin mir zwar bewusst, dass die Erinnerung verklärt, aber in meiner Kindheit war das Schönste an Weihnachten das Kerzenlicht, angefangen von der wachsenden Zahl der Kerzen auf dem Advents­kranz bis zu den vielen Lichtern am Christbaum, die sich erst noch in den Kugeln spiegelten. Wenn man beginnt darüber nachzudenken, so zeigt es sich, dass „Licht“ ein Leitthema der ganzen Bibel ist. Darum möchte ich jetzt mit ihnen diesem Thema nachspüren, ganz ohne Anwendung für heute, ganz ohne Moralin.

Es beginnt schon mit den ersten Sätzen des Buches Genesis: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser. Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war.“

In der Mosesgeschichte tauchen immer wieder die Worte „Feuer“ und „Licht“ auf. Im brennenden Dornbusch erscheint Gott dem Mose zum ersten Mal. Während Gott über die Ägypter Finsternis kommen liess, war es über den Israeliten hell.  Die Feuersäule führt das Volk während der Nacht durch die Wüste.  Als der Herr auf den Sinai herabstieg, zeigte sich dies in Blitzen. Nachdem das Zeltheiligtum fertiggestellt worden war, heisst es: „Da erschien die Herrlichkeit des Herrn dem ganzen Volk. Feuer ging vom Herrn aus und verzehrte das Brandopfer und die Fettstücke auf dem Altar.“ Wenn Mose mit Gott geredet hatte, strahlte sein Gesicht.

Im Orakelspruch Bileams wird angekündigt: „Ein Stern geht in Jakob auf, ein Zepter erhebt sich in Israel.“ Das heutige Evangelium nimmt darauf Bezug.

Feuer bleibt ein Zeichen für das Erscheinen des Herrn, etwa als der Engel den Eltern des Gideon dessen Geburt ankündigt, oder bei der Einweihung des salomonischen Tempels.

Das Exil nach der Zerstörung dieses Tempels wird vom Volk als eine finstere Zeit erlebt. Da hinein spricht Jesaja, der Prophet, der uns jeweils durch den Advent begleitet: „Das Volk, das in der Finster­nis ging, sah in helles Licht. Über denen, die im Land des Todesschatten wohnten, strahlte ein Licht auf.“ Matthäus wird dieses Wort aufnehmen und auf die Geburt Jesu hin deuten. Und auch was wir heute als Lesung gehört haben, passt hierher: „Steh auf, werde licht, denn es kommt dein Licht und die Herrlichkeit des Herrn geht strahlend auf über dir. Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker. Doch über dir geht strahlend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir. Nationen wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz.“

Jesaja führt uns zu den Kindheitsevangelien. Sie zeigen uns, dass wir Weihnachten zu Recht als Licht­fest feiern.  Schon Zacharias kündigt im Benedictus den Herrn an als „das aufstrahlende Licht aus der Höhe“, das uns besucht, „um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes“. Weiter bei Lukas heisst es dann nach der Geburt Jesu mitten in der Nacht:  „Da trat ein Engel zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie.“  Und da ist natürlich das heutige Festevan­gelium: Das Licht des Sterns führt die Sterndeuter zum Kind, das – wie Abt Urban gestern Abend ausgeführt hat – selber das Licht ist. Schliesslich spricht auch das dritte der Cantica bei Lukas vom Licht. Bei der Darstellung Jesu im Tempel nennt Simeon dieses Kind „ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und Herrlichkeit für dein Volk Israel“. Mariae Lichtmess wurde früher denn auch wie ein kleines Weihnachten gefeiert.

Während des öffentlichen Wirkens Jesu, wie es die Synoptiker darstellen, fällt vor allem seine Ver­klärung auf: „Sein Gesicht leuchtete wie die Sonne und seine Kleider wurden weiss wie das Licht.“

Im Johannesevangelium ist „Licht“ neben „Wahrheit“ und „Leben“ einer der Grundbegriffe. Schon im Prolog heisst es: Im Wort „war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.“  Jesus sagt von sich selbst: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

In der Apostelgeschichte finden wir ein ganz besonderes Beispiel vom Wirken des Lichtes: Es wirft den Saulus buchstäblich vom hohen Ross, erleuchtet ihn und führt ihn so zum Glauben.

Bei den Briefen sind es wiederum besonders die johanneischen, die das Licht hervorheben. So setzt der 1. Johannesbrief ein: „Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm. Wenn wir sagen, dass wir Ge­mein­schaft mit ihm haben und doch in der Finsternis wandeln, lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir im Licht wandeln, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander und das Blut seines Sohnes Jesus reinigt uns von aller Sünde.“

Wie der Anfang des ersten Buches der Bibel vom Licht spricht, so auch das Ende des letzten Buches. Es wird die Vollendung des neuen Jerusalem sein: „Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr leuchten. Denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie und ihre Leuchte ist das Lamm. Die Völker werden in diesem Licht einhergehen und die Könige der Erde werden ihre Pracht in die Stadt bringen.“

Wenn sie nun denken, da hat der Pater Markus doch glatt diese oder jene wichtige Stelle über das Licht übergangen, so würde mich das freuen. Denn es würde zeigen, dass sie sich das Thema zu eigen gemacht haben. Ihnen aber wünsche ich immer wieder einen Stern, der sie weiterweist, und das Licht des Herrn, gerade dann, wenn ihr Weg sie ins Dunkel führen sollte.

Zum Bild: Ein Stuckrelief im Unteren Chor zeigt die Anbetung durch die drei Sterndeuter. Aufgrund ihrer kostbaren Geschenke an das Jesuskind hat man sie im Laufe der Zeit als Könige gedeutet.