Predigt zum 2. Sonntag der Weihnachtszeit

05.01.2021

Am 3. Januar 2021 hielt unser Pater Gerhard Stoll folgende Predigt:

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn!

Weihnachten ist gemeinhin das Fest des Schenkens – das Geburtsfest des grössten Geschenkes, das es je gab: Jesus, das fleischgewordene Wort, der Sohn Gottes.

Wie war es denn an Weihnachten in unseren Familien? Haben Sie fleissig Geschenke ausgepackt? Haben Sie selbst fleissig geschenkt – vielleicht dazu auch fleissig ein- und ausgeschenkt. Vor allem: haben Sie selbst sich beschenken lassen? Ja, sich-selbst-beschenken-lassen, Geschenke von Herzen anzunehmen, scheint mir manchmal schwieriger zu sein, als andere grosszügig zu beschenken. Mehrere Fakten gehören ganz wesentlich zum Vorgang des Schenkens: Einer, der schenkt – der Schenkende; das Geschenk selbst; und dann der Empfangende, besser der Beschenkte.

Jesus Christus kam als Geschenk des Vaters in diese Welt – aber die Menschen wollten dieses Geschenk nicht akzeptieren. In der Sprache des Evangeliums: Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. – Ein schrecklicher Gedanke: da hat Gott der Menschheit die grösste Freude bereiten wollen, aber Viele haben dies abgelehnt:

„Der kann nicht der verheissene Messias sein, auf den wir jahrhundertelang gewartet haben. Wir warten lieber auf einen politischen Revolutionär, der die römische Besatzungsmacht verjagt – oder gar ein Schlaraffenland für uns errichtet. Oder: Der kritisiert doch nur unsere Lebensführung; der verlangt, dass wir unsere Eigenbedürfnisse zurückstellen; mit dem wollen wir doch nichts zu tun haben!“   Wie der Fall dann ausgegangen ist, davon hören wir dann wieder am Karfreitag.

Er kam in …… aber die Seinen. …..  In den Jahren 1950 – 1960 waren in meiner deutschen Heimat die Zeitschriften voll von Berichten über sogenannte Spätheimkehrer (ehemalige Soldaten und Kriegsgefangene, die aus russischer Kriegsgefangenschaft nach teilweise erst 10 – 15 Jahren Zwangsarbeit endlich heimkehren durften. Auf der tagelangen Heimfahrt freuten sie sich schon auf das Wiedersehen mit ihren Kindern und ihren Familien. – Diese waren ja ihre Heimat, ihr Eigentum. Aber daheim mussten sie feststellen: man erwartete sie gar nicht mehr, manche Familien hatten auch einen neuen Vater und Familienvorstand; der alte war bereits Jahre zuvor für tot erklärt worden.  „Ich bin jetzt überflüssig und unerwünscht – ich störe hier nur.“ Manchem Spätheimkehrer ist da das Herz gebrochen; er kehrte sich ab von seiner Familie, seinem Eigentum, und wanderte nach irgendwohin aus. Nicht angenommen werden, Ablehnung – das ist wohl eine der schlimmsten menschlichen Erfahrungen. Er kam in ….. aber die Seinen …..

Meine Lieben, sie kennen wohl alle das Sprichwort: Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten; für alternative Christen gilt das vor allem umgekehrt: wo viel Schatten ist, leuchtet auch immer ein Licht: Trotz aller Katastrophen, trotz aller Missstände in Staat und Kirche; trotz der Corona-Pandemie; trotz allem Leid, das Menschen sich gegenseitig zufügen – immer dann, wenn wir Gefahr laufen, Christi Wort zu überhören und Ihn abzulehnen : ER lehnt uns nicht ab; er sagt immer wieder seine Frohbotschaft zu uns. In der Taufe hat er uns das Geschenk der Gotteskindschaft in die Wiege gelegt. Aber – wie gesagt – ein Geschenk wird erst dann so richtig zum Geschenk, wenn der Beschenkt-Werdende es auch von Herzen annimmt.

Feiern wir jetzt Eucharistie – Danksagung für Jesu Leben, seinen Tod und seine Auferstehung – Danksagung für das grösste Geschenk, das Gott uns gemacht hat. Unsere Reaktion darauf: kein skeptisches „Lassen wir uns beschenken?“ (Fragezeichen), sondern ein klares „Lassen wir uns beschenken!“ (Ausrufezeichen). Amen.

Zum Bild: Der Prediger nimmt einen Vergleich aus der Geschichte seiner deutschen Heimat. Hier das Bild eines langersehnten Wiedersehens zweier Eheleute nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.