Gedanke zu Taufe des Herrn – 10. Januar 2021

09.01.2021

Bei der Vision Jesu am Jordan verwendet Markus das Wort «schizo – spalten» für den offenen Himmel. So heisst es eigentlich im Griechischen «Jesus sah, dass der Himmel sich spaltete». Von diesem Wort «schizo» leiten sich die deutschen Wörter Schisma und schizophren ab.

Je länger wir leben, desto mehr entdecken wir den eigenen Zwiespalt, das Schizophrene in uns selbst. Vielleicht gilt sogar die Formel: je älter, je zwiespältiger. Das soll uns nicht deprimieren, sondern demütig machen. Die Fülle und das Heil kommen von Gott durch den Heiland. Und dieser Heiland wird beschrieben als einer, der «das geknickte Rohr nicht zerbricht, und den glimmenden Docht nicht auslöscht» (Jes 42,3). Dieser Heiland weiss mit unserem Zwiespalt umzugehen. Ich darf ihm getrost diesen anvertrauen, denn er spricht: «Ich fass dich an der Hand» (Jes 42,6).

So wie Gottes Stimme aus dem gespaltenen Himmel ertönt, so offenbart sich in der Hingabe meiner zwiespältigen Person Gottes Grösse.

Mit dem Alter wächst die Erkenntnis der eigenen Zwie­spältig­keit. Mit dieser wächst aber auch Gottes heilende Güte. Sein erwählendes Wort aus dem gespaltenen Himmel sendet den Heiligen Geist.

P. Cyrill