Der hl. Meinrad zieht in den „Finsteren Wald“, gemalt von Br. Martin Erspamer OSB, Erzabtei St. Meinrad, USA.
Der hl. Meinrad zieht in den „Finsteren Wald“, gemalt von Br. Martin Erspamer OSB, Erzabtei St. Meinrad, USA.

Zum 21. Januar: Meinrad – ein Heiliger für heute

19.01.2021

Am Donnerstag, 21. Januar gedenken wir jenes Mannes, der am Anfang der Geschichte von Kloster und Dorf Einsiedeln steht. 1160 Jahre trennen uns von ihm, doch sein Lebensmodell als Eremit scheint plötzlich wieder aktuell zu sein.

Als der Benediktinermönch Meinrad um 828 auf dem Etzelpass und sieben Jahre später in den «Finsteren Wald» zog, um in der Einsamkeit zu leben, tat er dies freiwillig. Seit 10 Monaten wissen viele Menschen unfreiwillig, wie sich das Leben als «Kurzzeit-Eremiten» anfühlt. Home-Office und Quarantäne gehören mittlerweile zum Erfahrungsschatz vieler Zeitgenossen.

Dass für den heiligen Meinrad die 33 Jahre währende Isolation auch mit Herausforderungen verbunden war, beschreibt die nach seinem Tod verfasste «Vita». Dennoch war für ihn die Zeit des Rückzugs eine Zeit des Reifens. Denn er wusste: Auch in der Einsamkeit ist er nicht allein. Die Gegenwart Gottes wurde sein eigentlicher Lebensraum. Der heilige Meinrad wurde so zu einem Menschen mit einem «weiten Herzen», was der heilige Mönchsvater Benedikt als Kennzeichen eines reifen spirituellen Lebens beschreibt. Mit diesem weiten Herzen hat der heilige Meinrad auch seine beiden letzten Besucher am 21. Januar 861 empfangen und starb so als «Märtyrer der Gastfreundschaft».

Den heiligen Meinrad präsenter machen

Im feierlichen Pontifikalamt am 21. Januar wird Abt Urban Federer ein neues Reliquiar segnen, welches eine Reliquie des heiligen Meinrad enthalten und seinen Ort beim «Meinradsaltar» finden wird. Im erleuchteten Innern des aus Metall und Glas bestehenden Gehäuses wird ein Oberschenkelknochen des heiligen Meinrad schemenhaft erkennbar sein. Das ansprechende Objekt wurde von Glasmaler Christoph Stooss gestaltet, der 2019 bereits das Reliquiar für den heiligen Mauritius geschaffen hat. Auch die Mitarbeitenden in der klösterlichen Schreinerei und Schmiede haben an der Realisierung mitgewirkt. Mit dem neuen Meinradsreliquiar soll der erste Bewohner von Einsiedeln den Besucherinnen und Besucher der Klosterkirche nahegebracht werden.

Das alemannische Radkreuz, das die Oberfläche des Reliquienbehälters ziert, stammt aus einem Grabfund bei der «Sülchenkirche» bei Rottenburg am Neckar. Dort beginnt der 2019 eröffnete MEINRADWEG, ein Velopilgerweg auf den Spuren des heiligen Meinrad von Baden-Württemberg nach Einsiedeln (www.meinradweg.com). Auch für die Pilgerinnen und Pilger auf dem Fahrrad soll das neue Reliquiar ein würdiger Abschluss ihrer Wallfahrt nach Einsiedeln darstellen.

Ein verhinderter Gast

Ursprünglich wäre für das Pontifikalamt und die Einweihung des Reliquiars Bischof Dr. Gebhard Fürst aus der «Heimatdiözese» des heiligen Meinrad angemeldet gewesen, doch infolge der aktuellen COVID-19-Situation wurde sein Besuch um ein Jahr verschoben. Es freut uns, dass der Bischof der württembergischen Diözese Rottenburg-Stuttgart bereits seine Zusage für den 21. Januar 2022 gemacht hat. Dann wird die Klosterkirche hoffentlich voller Mitfeiernder sein!

Reservationsmöglichkeit

Für die Gottesdienste am diesjährigen Festtag müssen wir uns leider auf je 50 Mitfeiernde beschränken. Darum wird eine Reservationsmöglichkeit angeboten werden. Auf der Webseite www.gottesdienst.kloster-einsiedeln.ch oder per Telefon 055 418 61 11 kann man sich am Vortag für die Mitfeier eines Gottesdienstes anmelden. Frei zugänglich (für 50 Personen) sind die feierliche Pontifikalvesper um 16.30 Uhr, an deren Ende der Segen mit dem Haupt des heiligen Meinrad gespendet wird sowie die Komplet, das Nachtgebet der Mönche, um 20.00 Uhr.

Via Livestream mitfeiern

Das Pontifikalamt mit der Segnung des Meinradsreliquiars sowie die feierliche Pontifikalvesper und die Komplet werden im Livestream des Klosters online übertragen: www.kloster-einsiedeln.ch/live.

Auch wenn heuer nur ganz wenige Menschen den Meinradstag in der Klosterkirche werden mitfeiern können, so ist doch zu hoffen, dass der heilige Meinrad mit seiner Botschaft in dieser besonderen Zeit von vielen «Lockdown-Eremitinnen und -Eremiten» als besonderer Patron neu entdeckt wird.