Sonntagsgedanke – 6. Dezember 2020

05.12.2020

Seit einer Woche steht ein grosser Adventskranz in unserer Klosterkirche. Nur schon durch seine Grösse ist er ein echter Blickfang. Doch er ist mehr als einfach nur eine saisonale Dekoration. Der Adventskranz hat eine spirituelle Botschaft – gerade auch in dieser stark vom Coronavirus geprägten Vorweihnachtszeit.

Der Adventskranz ist ein relativ junger Brauch. Der evangelische Theologe Johann Wichern (1808–1881) wollte in seinem Hamburger Schülerheim die Zeit bis Weihnachten verkürzen. So feierte er ab 1840 im Advent jeden Tag eine Andacht und zündete jeweils eine Kerze an. Seine Schüler stellten diese 24 Kerzen auf Tannzweige. So war der Vorläufer des Adventskranzes und des Adventskalenders erfunden. 1924 wurde erstmals ein Adventskranz in einer katholischen Kirche aufgestellt. Heute ist der Adventskranz aus unseren Kirchen und erst recht auch aus unseren Wohnungen nicht mehr wegzudenken. Es lohnt sich, seiner Botschaft nachzugehen, denn der Adventskranz vereint mehrere Symbole zu einer stimmungsvollen Einheit.

Die Form des Adventskranzes ist ein Kreis – ohne Anfang und Ende – und damit ist er ein Zeichen für den ewigen Gott. Gerade in einer Krisenzeit wie jetzt ist der Blick über die irdischen Sorgen und Nöte hinaus tröstlich. Unsere Heimat ist im Himmel! Im Sport und bei der Kür von besonderen Schönheiten (wie zum Beispiel auch beim Vieh) ist der Kranz immer noch Symbol für eine besondere Ehre und eine grosse Auszeichnung. Der Adventskranz ist so Zeichen für den kommenden König und Sieger Jesus Christus. Auch unser Leben läuft auf ein Ziel hinaus: Auch uns ist ein Siegeskranz verheissen, wenn wir den Lauf vollenden und die Treue halten.

Die grünen Tannzweige lassen sich als Zeichen des Lebens und der Hoffnung deuten und weisen auf den weihnachtlichen Christbaum hin. Die Geburt Jesus Christi ist Grund zur Hoffnung für die Welt. Auch in dieser Krisenzeit gilt es, die Hoffnungsperspektive zu wahren und zu entwickeln. Als Christinnen und Christen sind wir Menschen der Hoffnung! Lassen wir diese in der Adventszeit ganz konkret erfahrbar werden.

Die vier Kerzen stehen für die vier Adventssonntage und laden uns ein, aus dem Dunkel der Gottferne zum strahlenden Glanz des wahren Lichtes dieser Welt zu gelangen, das als kleines Kind in der Krippe liegt. Auch in der Farbe der Kerzen lässt sich eine Bedeutung erkennen: Die roten Kerzen symbolisieren Gottes Liebe zu uns Menschen, die an Weihnachten menschlich-konkret wird. Lassen wir uns in dieser Corona-Pandemie von Gottes Liebe umarmen – Er kennt keinen Sicherheitsabstand!

Wenn wir am heutigen Zweiten Adventssonntag die zweite Kerze anzünden, können wir dies ganz bewusst tun und uns von Gott auf die zweite Etappe der adventlichen Reise auf Weihnachten hin senden lassen: Mache dich auf und werde licht, denn dein Licht kommt!

P. Philipp

Zum Foto: P. Cyrill zündet am Vorabend des Zweiten Adventssonntags die zweite Kerze an.