Ein Stern ist aufgegangen… Impuls zum 4. Advent 2020

19.12.2020

„Ein Stern ist aufgegangen…“

Beim Hören dieser Worte denken wir wohl sofort an etwas Schönes und Gutes. In diesen Worten spüren wir Hoffnung entgegenleuchten: Wir sind nicht alleine und unser Leben ist in etwas viel grösserem aufgehoben als bloss in dieser Welt. „Ein Stern ist aufgegangen…“ Etwas Neues soll da anbrechen und sich seinen Weg bahnen. Was denn? Liebe, Gerechtigkeit, Heilung, Freiheit und Frieden?

„Ein Stern ist aufgegangen…“ Diese Worte, wir kennen sie, finden wir in einem schönen weihnachtlichen Lied und sie beziehen sich auf die Sterndeuter, die den verheissenen neugeborenen König suchen, den „Immanuel“ – „Gott ist mit uns“ – und diesen dann auch finden und mit ihren Gaben beschenken. Wenn etwas unter einem guten Stern steht, dann verbinden wir damit die Zuversicht und den Glauben auf heilsame Veränderungen in uns und um uns herum. Von dieser Sehnsucht, von dieser Hoffnung waren die drei Sterndeuter beseelt. Sie trauten der Botschaft des aufgehenden Sternes, der da ein ganz neues Licht in die Finsternis der Welt warf.

Als Christen dürfen wir uns jahrein, jahraus unter einem guten Stern wissen, der schon längst über uns aufgegangen ist und dessen Leuchtkraft nicht bloss einen nächtlichen Himmel verzaubern, sondern vielmehr unsere innere Nacht erhellen und uns von innen her für die Weite des göttlichen Himmels öffnen kann.

Doch wie soll das geschehen? Diese Welt hat sich kaum verändert. Die Menschen sind im Grossen und Ganzen dieselben geblieben. Eine Welt, in der Vieles aus dem Ruder gerät. Wie sollen uns Worte der Hoffnung noch aufrichten? Was soll da ein Glaube und die Hoffnung, unser Leben stehe unter einem guten Stern?

Solche Fragen sind mehr als verständlich. Und selbst Maria, die Mutter Jesu, hatte damals ihre Fragen. In all dem Unverständlichen, das da der Engel sprach, in all dem Unmöglichen, das da angesprochen wurde in all und in all dieser Zumutung, die da an sie erging, verschloss sie nicht ihr Herz aus Angst, sondern öffnete es voll Vertrauen dem ewigen Wort, das alles Leben schuf und einem jeden Leben einen Namen gab.

Es ist uns zugemutet, die wir auf Jesu Christi Namen getauft und mit dem Heiligen Geist gesalbt sind, dass wir Gott immer wieder neu einen Vertrauensvorschuss schenken und von IHM mehr erwarten und erhoffen als von jedem anderen in dieser Welt.

Weil wir uns nicht auf Menschenweisheit stützen, wohl aber auf die Weisheit Gottes, die alles Verstehen übersteigt, die uns im Säugling in der Krippe zu Bethlehem, die uns in der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten, die uns in den Versuchungen der Wüste, die uns am gemeinsamen Tisch mit Sündern, Fremden und Ausgegrenzten, die uns in den Dämonenaustreibungen, in den Heilungen und in der Sündenvergebung, die uns auf einem Esel gewaltlos in Jerusalem einherreitend, im Gekreuzigten auf Golgotha und schliesslich im auferstandenen Christus in Emmaus begegnet, da dürfen wir erahnen, dass unser Leben, das so zerbrechliche, gefährdete und verwundbare, trotz all dem unter einem guten Stern steht. Nichts ist verloren und alles ist gewonnen dem und der, die sich öffnen und hingeben dem Anruf Gottes inmitten dunkler Zeit. Und wo anders soll Gottes Anruf hörbar sein, wenn nicht im Dunkel und in der Bedrängnis unserer Welt? In der Verwundung unserer irdischen Existenz? ER erwartet unsere Antwort inmitten der Bedrängnis. Und mit jedem JA, das wir neu zu sprechen wagen, durchbrechen wir den Sog der Finsternis, dürfen wir auch über uns den Stern entdecken und leuchten sehen, der uns auf den unendlich weiten Horizont Gottes verweist und somit uns erhebt über die Dunkelheit hinaus, die so begrenzt und zerbrechlich ist, wie alles was Irdisch ist.

Ein Stern ist aufgegangen… auch uns. Denn schon längst hat Gott sein JA uns gegenüber gesprochen und besiegelt. Lasst uns mutig und vertrauensvoll antworten mit Maria: „Mir geschehe nach deinem Wort…“ (vgl. Lk 1,38).

P. Benedict