Heilige Pforte

Gedanken zum Welttag der Armen – 15. November 2020

14.11.2020

Seit 2016 begeht die Katholische Kirche einen «Welttag der Armen», der dieses Jahr unter dem Leitwort “Streck dem Armen deine Hand entgegen“ (vgl. Sir 7,32) steht.

Ein solcher «Welttag» kann sehr schnell zur Alibi-Übung verkommen. Wir tun etwas, damit wir etwas getan und unser Gewissen beruhigt haben, aber er verändert eigentlich nichts.

Um das zu verhindern brauchen wir uns, einen Moment zu überlegen, wo befinden sich «Arme» in meinem Umfeld. Natürlich sind wir alle aufgerufen, uns mit den Armen dieser Welt zu solidarisieren und einen eigenen Beitrag dazu zu leisten, dass die Ungleichheit auch und gerade in Zeiten von Corona weiter bekämpft werden kann. Aber wir müssen nicht in die Ferne schauen. Arme, respektive Bedürftige, gibt es in jedem Umfeld. Da ist nicht unbedingt ein materielles oder finanzielles Bedürfnis gefragt. Vielleicht gibt es in meiner Nachbarschaft, Menschen, die ich schon lange nicht mehr wahrgenommen, geschweige denn gesprochen habe. Vielleicht tut auch wieder mal ein Telefonanruf gut? Wie steht es mit einem Besuch im Altenheim?

Wenn wir den «Tag der Armen» übersetzten in einen «Tag der Bedürftigen» entdecken wir schneller die Armen um uns. Dadurch wird der Tag keine Alibi-Übung, sondern ein Ansporn, «deine Hand dem Armen entgegenzustrecken».

P. Cyrill

 

(Bild: Heilige Pforte im Jahr der Barmherzigkeit 2015/16)