Gedanken zum Christkönigssonntag 2020

21.11.2020

Sonntagsgedanke – Christkönigssonntag 2020

Das Christkönigsfest wurde 1925 von Papst Pius XI. eingesetzt. Kurz zuvor waren mit dem Ende des Ersten Weltkriegs auch viele König – und Kaiserreiche untergegangen. Sie sollten dem Reich Jesu Christi, des Königs des Universums, Platz machen, und eine Alternative, DIE Alternative, zu den aufkeimenden Ideologien, welche in der Folge das 20. Jahrhundert überschattet haben, bieten (Kommunismus und Nationalsozialismus).

Heute leben wir in einer etablierten säkularen Gesellschaft, in der Kirche und Staat weitgehend getrennt sind; die geschichtlichen Koordinaten haben sich verändert. In dieser Situation laufen wir Gefahr, das Christentum zu privatisieren und zu spiritualisieren. Inwiefern wird unser Glaube konkret? Inwiefern artikuliert er sich im kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Leben unserer Zeit? Inwiefern sind wir vielleicht noch knapp bereit, gewisse Werte zu vertreten, die sich mit der Botschaft des Christentums einigermassen vertragen und anderswo keinen Widerspruch hervorrufen – aber ohne diese explizit in Christus und im Evangelium zu verankern? Trennt man jedoch gleichsam die Strahlen von der Sonne, werden sie rasch verglimmen.

Das heutige Fest lädt uns dazu ein, unsern Glauben an Jesus Christus als gestaltende Kraft tief hinein in unsere individuelle und kollektive Alltagsgestaltung einzubeziehen. Im Lebensprogramm von Glaubenden sollte das C stehenbleiben – und zwar in der Mitte.

P. Theo Flury