Sonntagsgedanke – 11. Oktober 2020

10.10.2020

Da findet also ein opulentes Hochzeitsmahl statt: Boeuf Stroganoff, Zwiebelrostbraten u.a. frisch von Ochs und Mastkalb. Alles steht bereit – aber die Gäste haben faule Ausreden und kommen nicht. Superidee des Gastgebers: hopp, schnell an die Straßenkreuzungen und einfach alles reinholen, was herumsteht. Dann aber der Schock: Inspektion der Spontangäste durch den Hausherrn – und Herausschmiss eines Gastes, der nicht in Gala erscheint. – Das soll einer verstehen …

Es gab in der Urkirche Neugetaufte, die mit einer gewissen Verachtung, ja Schadenfreude auf die Juden herabschauten, die zwar von Gott als erste berufen worden seien, die aber schließlich die Einladung zurückgewiesen hätten, indem sie Jesus und die Gemeinschaft mit ihm ablehnten. Und so hätte Gott eben sie erwählt. Sie sonnten sich im Bewusstsein, die wahren Gäste Gottes zu sein, die Berufenen, die Besseren. Diese hochnäsige Selbstgenügsamkeit ist der Anlass zu diesem scharfen Gleichnis Jesu. Es genügt eben nicht, sich berufen zu fühlen – und nichts dafür zu tun. Der Berufung muss ein passendes Kleid entsprechen.

Paulus schreibt immer wieder von diesem Kleid. So zum Beispiel im Kolosserbrief:

„Bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld!“

Gäste, die ein solches Kleid tragen, sind angenehme Tischgenossen. Sie tragen nämlich das Kleid Jesu.

P. Christoph Müller