Sonntagsgedanke – 6. September 2020

06.09.2020

Das Evangelium des heutigen Sonntags spricht ein schwieriges Thema an: den Umgang mit Schuld in der christlichen Gemeinde. Dieser richtige Umgang ist nicht erst eine Herausforderung unserer Tage. Schon die allerersten Christen waren damit konfrontiert.

Die ersten drei Verse des Sonntagsevangelium versuchen dabei ein schrittweises Vorgehen zu skizzieren: zuerst das Gespräch unter vier Augen, dann das Beiziehen von Zeugen, schliesslich das Offenlegen der Schuld vor der Gemeinde und dann – als allerletzte Notlösung – die Trennung. Dieses gestufte Vorgehen zum Schutz des schuldig gewordenen Mitglieds als auch der christlichen Gemeinde selbst erinnert mich stark an die Kapitel 23-30 in der Regel des heiligen Benedikt, in welchen er jene Fälle thematisiert, in denen der Abt korrigierend eingreifen muss, wenn ein Bruder fehlt.

Der Umgang mit einem schuldig gewordenen Menschen ist eine grosse Herausforderung – ob in der Familie, am Arbeitsplatz oder eben auch in der Kirche. Der heilige Benedikt erinnert dabei an eine Grundkonstante des menschlichen Lebens: Wir alle sind schwache und bedürftige Menschen. Darum vergleicht er in den oben genannten Kapiteln den Abt mit einem Arzt und einem Hirten. Der Arzt sucht nach dem richtigen Mittel für die Heilung, geht behutsam vor und lässt dem Heilungsprozess Zeit und Raum. Der gute Hirte sucht das verirrte Schaf und trägt es zur Herde zurück. Beide Bilder erinnern an Jesus Christus, dessen Umgang mit Sündern auch für uns Christinnen und Christen heute massgeblich ist.

P. Philipp