Sonntagsgedanke – 9. August 2020

08.08.2020

Kurze Bergwanderung mit dem Propheten Elija und anderen

Wenn Sie gerne in die Berge gehen, kommen Sie jetzt bitte mit! Denn man kann auf den Bergen Gott suchen und finden.

Steigen wir zuerst auf den Berg im Land Morija, zusammen mit Abraham. Dieser sollte dort oben seinen erstgeborenen Sohn Isaak opfern, wie es damals bei den Völkern rundum Brauch war. Im letzten Moment wird das verhindert, denn der Gott Israels, so lernt Abraham auf dem Berg oben, will keine Menschenopfer.

Der zweite Berg, den wir besteigen, ist der berühmte Sinai (oder Horeb). Wir sind da oben mit Mose. Er erfährt hier, dass Jahwe, dem er früher am Fuß dieses Berges im brennenden Dornbusch begegnet war, nicht nur einen Namen hat, sondern ein Gott, der mit seinem kleinen Volk einen Bund schließen will, auf steinernen Tafeln geschrieben und besiegelt unter gewaltigen Naturphänomenen (Erdbeben, Feuer, Donner).

Bei der dritten Bergbesteigung, wieder auf den Horeb, begleitet uns diesmal der Prophet Elija, frustriert und demoralisiert. Er hofft, da oben, wie einst Mose, dem mächtigen Gott Israels in furchterregenden Naturphänomenen zu begegnen. Diese treten zwar tatsächlich auf, aber Gott ist nicht in ihnen, das spürt Elija klar. Erst als eine „Stimme verschwebenden Schweigens“ zu vernehmen ist, weiß Elija: Gott ist da.

Im Neuen Testament lädt uns Markus als erster ein, auf einen „hohen Berg“ zu steigen, wohl auf den Berg Tabor (588 m). Diesmal in Gesellschaft Jesu. Gott erscheint da oben nicht mehr wie bei Abraham als ein Menschenopfer fordernder Gott, auch nicht, wie bei Mose, als furchterregender Bündnispartner, auch nicht, wie bei Elija, als zartes Naturlüftchen, sondern als menschliche Stimme, die voll Liebe auf den verklärten Jesus hinweist mit den Worten: „Dies ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören“. Beim Hinuntersteigen vom Berg macht Jesus noch eine für die Jünger unverständliche Anspielung auf seinen Tod, der, wie wir wissen, auf der „Schädelhöhe“ stattfinden wird. Die Heimkehr des Auferstandenen zum Vater erleben die Jünger schließlich „auf dem Berg, den ihnen Jesus genannt hatte“. Dort hören sie als allerletztes Wort seine Zusage: „Siehe ich bin bei euch bis zum Ende der Welt“.

Und damit ist unsere kurze Bergwanderung zu Ende, auf der wir ganz kurz dem Himmel nahe sein durften.

P. Christoph Müller