Sonntagsgedanke – 2. August 2020

01.08.2020

Was nährt uns wirklich? Diese Frage wird uns von den Schrifttexten am 18. Sonntag im Jahreskreis gestellt. In der Lesung aus dem Buch Jesaja (Jes 55,1–3) hören wir vom sogenannten «Messianischen Mahl», einem wunderbaren Sinnbild für die Vollendung der Schöpfung. Die Mahlgemeinschaft wird zum Symbol für die tiefste Gemeinschaft der Menschen untereinander und mit Gott. Im Evangelium (Mt 14,13–21) hören wir von der «Speisung der Fünftausend», die auch als «Wunderbare Brotvermehrung» bekannt ist.

Was nährt uns wirklich? Diese Frage passt gut zum Sonntag nach dem Schweizer Nationalfeiertag. Denn jedes Jahr dürfen wir am 1. August danken für ein wunderschönes Land, in dem wir sicher und gut versorgt leben dürfen. Doch die Frage nach der wirklichen Nahrung bleibt trotzdem. Der Verfasser der Zeilen im 55. Kapitel des Jesajabuches stellt sie mit folgenden Worten: «Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?» (Jes 55,2). Und er gibt auch gleich die Antwort in der nachfolgenden Zeile. Dort legt er Gott folgende Worte in den Mund: «Neigt euer Ohr mir zu und kommt zu mir, hört, dann werdet ihr leben. Ich will einen ewigen Bund mit euch schliessen» (Jes 55,3). Es ist also die Beziehung mit Gott, die uns im Tiefsten erfüllt und ernährt. Der «ewige Bund», den er mit den Menschen schliesst, ist also weit mehr als der legendäre «Rütlischwur», auf den man sich auch in der modernen Schweiz gerne beruft.

Der Bund zwischen Gott und Mensch ist die Garantie dafür, dass wir uns nicht nur für das Vergängliche abmühen, sondern dass wir uns unterwegs wissen zum «Messianischen Mahl», bei dem all unsere Sehnsüchte ihre Erfüllung und Vollendung finden werden. Auf dem Weg zu dieser Vision des Gottesreiches ist aber unsere Solidarität gefragt. Unzählige Menschen haben Hunger und dies nicht nur metaphorisch, sondern ganz konkret. Damit die Vision vom «Messianischen Mahl» für sie nicht zur billigen Jenseitsvertröstung wird, sind wir gefordert. Die Erzählung von der «Speisung der Fünftausend» erinnert uns daran, dass dieses «Messianische Mahl» durch das Teilen schon hier und jetzt Aufscheinen soll. Im heutigen Sonntagsevangelium nimmt Jesus darum seine Jünger in die Pflicht: «Gebt ihr ihnen zu essen!» (Mt 14,16). Dies ist Jesu Aufforderung auch an uns – gerade auch am Wochenende, an dem wir Schweizerinnen und Schweizer dankbar sein dürfen für das, was uns an Gutem und Schönem geschenkt ist.

Lassen wir durch unsere Solidarität auch in unserem Land im Herzen Europas das Reich Gottes schon heute aufleuchten! Jesus zeigt im Evangelium: Es hat genug für alle.

P. Philipp

Bild: Zum 1. August ein Blick über den Talkessel von Schwyz zur «Wiege der Eidgenossenschaft».