Sonntagsgedanke – 26. Juli 2020

25.07.2020

Alles verstanden!

Die heutige Sonntagsperikope beschliesst das 13. Kapitel des Matthäusevangeliums. Nach den Gleichnisreden fragt Jesus seine Jünger, ob sie denn auch alles verstanden hätten. „Sie antworteten: Ja.“ (Mt 13, 51)

Bewundernswert! Für mich ist nicht immer alles so klar… Aber: Möchte ich denn überhaupt alles verstanden haben? Eher nicht: Denn wenn ich das, was Gottes ist, wirklich verstanden hätte, wäre es kleiner, enger als mein ohnehin beschränkter Denkhorizont. Wenn ich glaubte, alles zu verstehen, würde ich mich entweder gründlich täuschen, oder dann wäre das, was ich vollends verstanden zu haben glaubte, mit Sicherheit nicht Gottes, der ja unser Begreifen haushoch übersteigt. Letztlich wurzelt doch alles bruchstückhafte Erkennen im Geheimnis, im Mysterium (was nicht mit Gleich – Gültigkeit oder Beliebigkeit verwechselt werden darf).

Ein schönes Beispiel dafür: Ich fragte einmal unsern alten P. Maurice, der schon länger gestorben ist, was ihm denn die Messe bedeute. Ohne viel zu überlegen gab er zur Antwort: „Ich verstehe sie zwar immer weniger, aber ich bin von Tag zu Tag begeisterter, ja, entzückter von ihr – j’en sais toujours moins, mais j’en suis de plus en plus ravi.“

Wir dürfen dankbar sein selbst für bescheidenstes Verstehen. Darüber sollen wir allerdings nicht vergessen, dass es zur aus ihm erwachsenden Hingabe an die unendliche Liebe Gottes führen möchte, die uns täglich in ihre Gegenwart ruft.

P. Theo Flury