Sonntagsgedanke – 21. Juni 2020

20.06.2020

«Du bist verantwortlich für das, was du dir vertraut gemacht hast.»

Manchmal hätten wir gerne einen Gott, der es donnern und krachen liesse. Dann wäre die Sachlage klar und jeder wüsste, wo «der Bartli dä Moscht holt». Insgeheim hatte auch Jeremia diese Hoffnung: Er denkt in der heutigen Lesung (Jer 20,10-13) an Gott, der ihm wie ein gewaltiger Held beisteht. Die Feinde werden zuschanden. «Ich werde deine Vergeltung an ihnen sehen» (vgl. Jer 20,11f). Damit wären die Verhältnisse geklärt und ich wäre auf der richtigen – nämlich der guten – Seite.

Wir aber wissen alle, dass Gott nicht so funktioniert. Gott funktioniert überhaupt nicht mit Donner und Blitz. Wir glauben an Gottes Langmut, Barmherzigkeit und Liebe. Wir glauben und vertrauen, dass Er ein Gott ist, der «in den Staub springt». Wir glauben, dass Er sich ohnmächtig ans Kreuz nageln liess. Zuweilen treiben uns die Langmut Gottes an die Grenze der Belastbarkeit und doch … haben wir alle unser JA zu diesem Gott gesagt. Wir haben uns als Christen mit Ihm vertraut gemacht. Wir vertrauen Ihm. Ja, Gott ist unser Vertrauter. Gott ist nicht unser Superman. Wir haben zu einem Gott Ja gesagt, der verwundet wird durch das Nein des Menschen. Sein Herz blutet. Das Nein schlägt ihn blutig. Nun kann ich mich nicht plötzlich aus der Verantwortung stehlen und davonmachen.

Eigentlich ist es nicht verwunderlich, dass der wahre Gott so wenig Anhänger hat. Er ist zu lieb, hat zu wenig Durchsetzungsvermögen, lässt alles mit sich machen. Wir aber wollen einen Helden, einen Mächtigen, einen über alles Erhabenen, zu dem wir aufschauen dürfen, den wir bewundern, verehren, eben anbeten (j’adore) können. Wir wollen stolz auf unseren Gott hinweisen können: Gott ist gross!

Unser Gott aber will keine Bewunderer, keine Fans. Er will Geliebte, Freundinnen, die mit Ihm Seinen Weg gehen. Er will Vertraute.

«Du bist verantwortlich für das, was du dir vertraut gemacht hast.» (Der Fuchs zum Kleinen Prinz, Antoine de Saint-Exuperie)