Sonntagsgedanke zum 26. April

25.04.2020

Buch des Lebens

Seit einigen Wochen schon finden keine öffentlichen Gottesdienste statt und keine Spendung von Sakramenten im öffentlichen Raum. So wichtig die Gottesdienste sind und so kostbar die Feier der Sakramente, unser Glaube erschöpft sich jedoch niemals in diesen. Unser Glaube liegt im Wort Gottes begründet, das in der Heiligen Schrift, in der Bibel uns zugetragen wird. Diese liturgisch stille Zeit lädt uns ein, die Bibel wieder mal bewusst in die Hand zu nehmen, ihre Texte zu lesen und über die Worte nachzudenken und betend ihren tieferen Sinn zu erfassen. Auch andere gute Lektüre, die uns geistig und seelisch nährt, sollte unser tägliches «Brot» sein.

Zugegeben, es ist nicht einfach, zu allen biblischen Texten einen leichten Zugang zu finden. Anfangen würde ich mit den Evangelien, mit den Texten, die vom Leben und Wirken Jesu erzählen. Es gibt auch hilfreiche und einfache Bibelkommentare. Und warum nicht zu Beginn eine Kinderbibel zur Hand nehmen? Es geht nicht darum, biblische Texte auswendig zu lernen und sie wörtlich aufsagen zu können. Wir wollen keinen Fundamentalismus, in welchem das Herz und die Liebe allzu schnell verloren gehen. Vielmehr geht es darum, die biblischen Worte wahrhaft zu verstehen. Das kann nur ein offenes Herz, das Gott aufrichtig sucht und sich von SEINER Liebe finden lässt. Das Wort Gottes soll in unserem Herzen eingepflanzt werden. Dort darf es wachsen und reifen und Früchte bringen. Regelmässige Pflege braucht dieser biblische Keimling, nämlich das Gebet, die Stille, die Meditation, die Offenheit für das vielfältige Leben… Es muss uns Christen und Christinnen darum gehen, in eine tiefe Beziehung hineinzuwachsen mit dem, der DAS Wort Gottes selbst ist und in dem sich letztlich alle biblischen Texte erschliessen: Jesus Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!

P. Benedict