Gedanken zu Ostern

11.04.2020

Wenn man von etwas Interessantem hört, möchte man gerne wissen, wer dabei gewesen ist und wo es sich zugetragen hat. Dass der Auferstandene „Zweien“ erschienen sei, die „aufs Land“ gehen wollten, wie es Markus in seinem Evangelium nur so kurz andeutet, war dem Evangelisten Lukas zu wenig. Er ging der Sache nach und fand immerhin heraus, dass einer der Beiden Kleopas hieß und dass sie unterwegs in ein Dorf namens Emmaus waren.

Als Lukas das niederschrieb (ca. 80 n. Chr.), gab es bereits lebendige Christengemeinden, die sich wöchentlich zum „Brotbrechen“ trafen (so nennt er die Eucharistie in seiner Apostelgeschichte)

Mir kommt es vor, als ob Lukas in seine Emmausgeschichte unmerklich den Ablauf der Eucharistiefeier hätte mit einpacken wollen.

Denn zuerst sprechen die Beiden darüber, was sie momentan beschäftigt, was in letzter Zeit passiert ist, worüber sie enttäuscht sind. Das machen auch wir jedes Mal am Anfang der Messe, wo eine Zeit der Stille uns einlädt, das Vergangene – gerade auch Belastendes – Revue passieren zu lassen. Dann hörten die beiden Emmausjünger Stellen aus der Bibel (Jesus wählt dazu „Mose und die Propheten“ aus), wie das auch bei uns geschieht, wenn die Lesungen vorgetragen werden. Darauf zeigt ihnen Jesus die tieferen Zusammenhänge auf. Das ist bei unseren Gottesdiensten die Aufgabe des Predigers. Schließlich wird der Tisch gedeckt, was in der Messe bei der Gabenbereitung geschieht.

Weiter schreibt Lukas: „Als er mit ihnen bei Tisch war, nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis“. Bei uns erfolgt dieser Lobpreis bei der Präfation („ …und singen zum Lob deiner Herrlichkeit“) und beim Hochgebet („ … und bringen dir mit Lob und Dank dieses lebendige Opfer dar“). Darauf brach Jesus das Brot. Bei uns geschieht das vor dem Friedensgruß. Dann gab er das Brot seinen Jüngern weiter. Uns wird es bei der Kommunion gereicht. – In diesem Moment nun war Jesus plötzlich nicht mehr leibhaftig unter ihnen. Aber sie spürten, wie schon vorher beim ,Wortgottesdienst‘, ein starkes „Brennen des Herzens“, das sie nicht für sich behalten konnten und mit anderen teilen wollten. Dabei vernahmen sie, dass auch andere die gleiche Erfahrung gemacht hatten wie sie.

So wird jedes Mal, wenn wir zur Eucharistie zusammenkommen, die Geschichte von Emmaus wieder erneut lebendig. Und wir dürfen dankbar wissen, dass wir dabei jedes Mal mit vielen Brüdern und Schwestern auf der ganzen Welt verbunden sind, die unseren Glauben teilen.

P. Christoph Müller OSB