Predigt von Abt Urban zum Hochfest des hl. Benedikt

21.03.2020

Im Rahmen des Pontifikalamtes zum Heimgang unseres heiligen Vaters Benedikt richtete Abt Urban Federer am 21. März 2020 folgende Worte an unsere Klostergemeinschaft und die per Livestream zugeschaltete Gottesdienstgemeinschaft:

Das Leben von uns Mönchen und Nonnen wird auch schon einmal mit einem Gefängnis verglichen: Warum sperrt Ihr Euch ein?, werden wir gefragt. Wir sperren uns nicht ein, sondern wir suchen in einer Gemeinschaft im Ausgleich zwischen Gebet, Arbeit und Lesung innere Freiheit, die Weite des Herzens.

Viele Menschen, die uns nun über Livestream zugeschaltet sind, sind zu Hause praktisch eingesperrt; sie machen das nicht freiwillig. Ist es denn nicht fast ein Hohn, wenn der hl. Paulus uns in der Lesung zuruft: «Freut euch im Herrn zu jeder Zeit, noch einmal sage ich: Freut euch!». Kann Freude gelebt werden in einer Art Gefängnis?

Der hl. Benedikt geht davon aus, dass Freiheit und Freude nicht abhängig sind von Mobilität oder dem Angebot einer guten Party. Paulus gibt den Grund seiner Freude an, wenn er sagt: «Der Herr ist nahe.» In jeder Lage, ist der hl. Paulus überzeugt, ist Gott uns nahe, auch in unseren Ängsten, in der Krankheit. Und Benedikt lässt uns diesen Gott konkret suchen: im Gebet, im Mitmenschen, beim Hören auf Gottes Wort, in den Kranken, selbst im Tod. Der Weg Benedikts macht also nicht eng, zieht sich nicht auf sich selbst zurück. Die Suche nach Gott lässt heraustreten, auf Gott und den Mitmenschen zu. Sie macht eher weit und sensibel zugleich, sie sucht die Solidarität, die Nähe zu den Verletzten und Ängstlichen und lässt andere spüren: der Herr ist nahe.

Wenn ich nun merke, wie meine Tochter, mein Vater oder mein Mitbruder eher aggressiv und gereizt reagiert, müssen wir miteinander Wege suchen, wie diese Enge wieder in die Weite führen kann. Wir können es tun, wie der hl. Benedikt vorschlägt: Indem wir den Tag einteilen in genügend Zusammensein, aber auch Alleinsein, in Arbeit und Lernen und im Miteinander-Essen und Geniessen. Und wir können unsere Ängste und Aggressionen in ein gemeinsames Gebet fassen, das wir als Familie oder alleine um eine Kerze herum sprechen. Auf diese Weise, ist der hl. Paulus in der heutigen Lesung überzeugt, kann unsere gemeinsame Suche nach Frieden und Freude in unsere Herzen einziehen, wenn er sagt: «Der Friede Gottes wird eure Herzen und eure Gedanken in Christus Jesus bewahren.»

Zum Bild: Vom Friherrenberg blickt der heilige Benedikt auf Kloster und Dorf Einsiedeln.