Gedanke zum Sonntag LAETARE

21.03.2020

Coronavirus

Es ist erstaunlich, wie ein kleines Ding wie ein Virus in einer Gesellschaft, die sich mächtig und sicher wähnt, soviel Aufregung verursachen kann. Wir sind verwundbar – nicht nur durch das ganz Grosse, sondern auch durch das ganz Kleine! Die Vorsichtsmassnahmen, die jetzt verordnet werden, sind jene, die angezeigt sind, um Ansteckung zu vermeiden: nicht nur fleissiges Händewaschen und Vermeiden von Massenveranstaltungen sind angesagt, sondern auch das Unterlassen des Gebrauchs von Weihwasser, das Verzichten auf den Friedensgruss während der Messe, das Einhalten einer Sicherheitsdistanz von zwei Metern zu andern Menschen und, gleichzeitig, die Beschränkung des Zusammenseins auf eine Zeit von weniger als fünfzehn Minuten.

Die Massnahmen des Abstandhaltens sind klug, ja, unerlässlich. Kommen sie aber nicht auch da und dort der Angst vor Nähe entgegen? Doch gilt vielleicht auch hier: «Gleiches heilt man mit Gleichem!» Die auferlegte Distanznahme, die Zurückgezogenheit vom öffentlichen Leben und die Stille können den Wert der dreifachen Beziehung, die dem Hauptgebot entspricht (der Liebe zu Gott, zum Nächsten und zu sich selbst), neu zum Leuchten bringen. Die gegenwärtige Krise kann uns dazu führen, klarer zu erkennen, was uns wirklich wichtig ist.

Nicht nur ein Virus möchte uns anstecken. Auch Gott möchte uns «anstecken»; er möchte uns «anstecken» mit dem Geist des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung. Heute feiern wir den Sonntag Laetare, den Sonntag «Freue dich»! Der Gesang zu Beginn der Messe ist dem Buch Jesaja entnommen (Jes 66, 10f) und lautet: «Freut euch mit Jerusalem! Jubelt in der Stadt, alle, die ihr sie liebt. … Saugt euch satt an ihrer tröstenden Brust, trinkt und labt euch an ihrem mütterlichen Reichtum.» Die Freude bezieht sich in diesem Zusammenhang auf das nahende Osterfest: In der Auferstehung Jesu hat Gott den Virus jenes Todes besiegt, der trennt und Mauern aufbaut. Vertrauen und Nähe werden möglich, die im Bild des kleinen Kindes an der Brust der Mutter wunderbar zum Ausdruck kommen.

P. Theo Flury