Corona-Gebet
Corona-Gebet

Eine besondere Fastenzeit

29.03.2020

Dieses Jahr erleben wir eine besondere Fastenzeit. Etwas unsichtbares, ein Virus, bringt die ganze Welt durcheinander und so auch unser eigenes Leben, und dadurch auch vielleicht unsere Überzeugungen und unseren Glauben, unser Vertrauen und unsere Zuversicht. Der Virus erinnert uns wieder daran, dass es vieles gibt, was wir nicht im Griff haben. Er zwingt uns, unsere Lebenshaltung sowie unsere Fragilität und unsere Ängste bewusster anzuschauen. So lädt uns diese Zeit ein zum inneren Leben und sich an den kleinen Sachen des Alltags dankbar zu freuen, die all zu oft übersehen oder als selbstverständlich wahrgenommen werden.

Diese Zeit wird von uns allen aber ganz unterschiedlich wahrgenommen. Die einen freuen sich über die Entschleunigung des Alltags, an der Ruhe, an der auferlegten Zurückgezogenheit, während andere noch mehr Einsätze, Arbeit und Stress erleben. Die einen haben viele Quadratmeter Lebensraum zur Verfügung – sogar mit Garten oder Terrasse -, während die  anderen sich mit engen Wohnungen mitten in der Stadt zufrieden geben müssen. Einige können gut aus ihrem Wohlstand leben, während die finanzielle Zukunft anderer bedroht ist. Einige leiden unter Einsamkeit, während andere sich danach sehnen. Die einen fühlen sich in Sicherheit, andere sind in direktem Kontakt mit der Krankheit. Es gibt die, die eine starke Gesundheit haben, und die, die zur Risiko-Gruppe gehören oder unter physischen, psychischen oder seelischen Beschwerden leiden. Die einen merken kaum den Virus, andere kommen durch ihn ums Leben. Die Liste könnte noch länger sein. Dies gibt uns schon viele Anregungen für unser alltägliches Gebet um denen, die in der Not sind, beizustehen.

Unter diesen Bedingungen kann uns vieles beunruhigen, uns sogar Angst machen. Abgesehen von der Befolgung der hygienischen Vorschriften und der Stärkung unseres Immunsystems mit genügend Schlaf, Vitaminen und Spurenelementen, können wir nur noch den Virus nutzen, um uns zu besinnen. Die Benediktinerin und Schriftstellerin Kyrilla Spiecker sagte «Was ich nicht ändern kann, will vielleicht mich ändern». Ja, was sagen mir meine Ängste oder meine Wutanfälle über mich selbst, über meine Lebenshaltung? Wie kann ich meine Zuversicht, mein Vertrauen und meinen Glauben stärken? Was sollte ich in meinem Leben ändern? Die einen sagen in übertragenem Sinn sogar: «Sind wir nicht selber ein Coronavirus für die Erde, in dem wir ihre «Lungen» angreifen durch intensive Abholzung, Verschmutzung des Wassers, das durch Plankton Sauerstoff produziert, und Vergiftung der Luft? Wie weit machen wir mit durch unsere Einkäufe oder Reisen? Sollten wir nicht wieder bewusster handeln: lokaler, persönlicher und naturgerecht? Es nützt aber nicht zu jammern über das, was nicht gut ist. Vielmehr sollten wir uns fragen, was wir auf unserer eigenen Ebene verbessern können. Paulus sagt «Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem» (Römerbrief 12,21). Eine erste sichere Quelle dafür ist die Geistliche Lesung.

Mir selbst kommen in dieser besonderen Zeit viele biblische Texte in den Sinn, die mich stärken und Zuversicht schenken. Das Buch der Sprüche weist schon darauf hin: «Kummer im Herzen bedrückt den Menschen, ein gutes Wort aber heitert ihn auf» (Sprüche 12,25). In diesem Sinn lade ich euch ein, vermehrt das Wort Gottes, die Bibel, zu lesen und zu meditieren. Ich gebe euch ein paar Beispiele:

Jesaja 41,10
10 Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott! Ich habe dich stark gemacht, ja ich habe dir geholfen und dich gehalten mit meiner siegreichen Rechten.
Matthäus 6,33-34
32b Euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles braucht. 33 Sucht aber zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit; dann wird euch alles andere dazugegeben. 34 Sorgt euch also nicht um morgen; denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat genug an seiner eigenen Plage.
Markus 4,35-41
35 Am Abend dieses Tages sagte Jesus zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. 36 Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; und andere Boote begleiteten ihn. 37 Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. 38 Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? 39 Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. 40 Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? 41 Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?
Psalm 91 – Unter dem Schutz des Höchsten
1 Wer im Schutz des Höchsten wohnt, der ruht im Schatten des Allmächtigen. 2 Ich sage zum HERRN: Du meine Zuflucht und meine Burg, mein Gott, auf den ich vertraue. 3 Denn er rettet dich aus der Schlinge des Jägers und aus der Pest des Verderbens. 4 Er beschirmt dich mit seinen Flügeln, unter seinen Schwingen findest du Zuflucht, Schild und Schutz ist seine Treue. 5 Du brauchst dich vor dem Schrecken der Nacht nicht zu fürchten, noch vor dem Pfeil, der am Tag dahinfliegt, 6 nicht vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die wütet am Mittag. 7 Fallen auch tausend an deiner Seite, dir zur Rechten zehnmal tausend, so wird es dich nicht treffen. 8 Mit deinen Augen wirst du es schauen, wirst sehen, wie den Frevlern vergolten wird. 9 Ja, du, HERR, bist meine Zuflucht. Den Höchsten hast du zu deinem Schutz gemacht. 10 Dir begegnet kein Unheil, deinem Zelt naht keine Plage. 11 Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen. 12 Sie tragen dich auf Händen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt; 13 du schreitest über Löwen und Nattern, trittst auf junge Löwen und Drachen. 14 Weil er an mir hängt, will ich ihn retten. Ich will ihn schützen, denn er kennt meinen Namen. 15 Ruft er zu mir, gebe ich ihm Antwort. In der Bedrängnis bin ich bei ihm, ich reiße ihn heraus und bring ihn zu Ehren. 16 Ich sättige ihn mit langem Leben, mein Heil lass ich ihn schauen.
Psalm 23 – Der gute Hirte
1 Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. 2 Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. 3 Meine Lebenskraft bringt er zurück. Er führt mich auf Pfaden der Gerechtigkeit, getreu seinem Namen. 4 Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich. 5 Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, übervoll ist mein Becher. 6 Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und heimkehren werde ich ins Haus des HERRN für lange Zeiten.
Psalm 131 – Geborgenheit in Gott
1 Ein Wallfahrtslied. Von David. HERR, mein Herz überhebt sich nicht, nicht hochmütig blicken meine Augen, ich gehe nicht um mit großen Dingen, mit Dingen, die mir nicht begreiflich sind. 2 Vielmehr habe ich besänftigt, habe zur Ruhe gebracht meine Seele. Wie ein gestilltes Kind bei seiner Mutter, wie das gestillte Kind, so ist meine Seele in mir. 3 Israel, warte auf den HERRN von nun an bis in Ewigkeit!

Christus sagt uns, dass die Liebe Furcht oder Angst vertreibt. Dies ist auch eine Einladung Gottes sich zu fragen, wie wir Liebe um uns, mit unseren eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten, ausbreiten können.

1.Johannes 4,18
16 Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. 17 Darin ist unter uns die Liebe vollendet, dass wir am Tag des Gerichts Zuversicht haben. Denn wie er, so sind auch wir in dieser Welt. 18 Furcht gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. Denn die Furcht rechnet mit Strafe, wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe. 19 Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. 20 Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott!, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht. 21 Und dieses Gebot haben wir von ihm: Wer Gott liebt, soll auch seinen Bruder lieben.

Ein besonderer Ausdruck der Liebe und der Beziehung mit Gott und untereinander ist das Gebet. Einerseits das stille Gebet, das uns hilft, zurück zur Quelle unseres Lebens zu gelangen und daraus Leben und Heil zu schöpfen, anderseits das mündliche Gebet, das uns hilft, unsere Bedürfnisse vor Gott auszudrücken. Als Beispiel dafür finden sie hier das Gebet der Europäischen Bischofskonferenz, das wir in Einsiedeln jeden Tag beten:

Gott Vater, Schöpfer der Welt, du bist allmächtig und barmherzig. Aus Liebe zu uns hast du deinen Sohn zum Heil der Menschen an Leib und Seele in die Welt gesandt. Schau auf deine Kinder, die in dieser schwierigen Zeit der Prüfung und Herausforderung in vielen Regionen Europas und der Welt sich an dich wenden, um Kraft, Rettung und Trost zu suchen. Befreie uns von Krankheit und Angst, heile unsere Kranken, tröste ihre Familien, gib den Verantwortlichen in den Regierungen Weisheit, den Ärztinnen und Ärzten, dem Pflegepersonal und den Freiwilligen Energie und Kraft, den Verstorbenen das ewige Leben. Verlasse uns nicht im Moment der Prüfung, sondern erlöse uns von allem Bösen. Amen.

Maria, Mutter der Kranken und Mutter der Hoffnung, bitte für uns!

Einige machen sich Sorgen, um den Empfang der Sakramente in der Karwoche und in der Osterzeit, vor allem was die Feier der Sakramente der Versöhnung und der Eucharistie betrifft. Dabei sollte man nie vergessen, dass Gott um die aktuelle Situation weiss, und dass er an die Sakramente, die er uns durch die Kirche schenkt, nicht gebunden ist. Gott ist allgegenwärtig und für ihn ist alles möglich. Das Entscheidende ist, dass wir ehrlich vor ihm sind und uns zu ihm wenden. Ihn dürfen wir auch unseren Mangel an Glauben und Vertrauen schenken – darum wissend, dass er alles zum Guten führt bei denen, die ihn lieben.

P. Jean-Sébastien Charrière OSB