Salz der Erde mitten in der Stadt Feldkirch

08.02.2020

Wenn Jesus zu einer unbedeutenden kleinen Gruppe irgendwo an einem unbedeutenden kleinen Ort der Welt sagt: „Ihr seid das Salz der Erde“ ist das schon sehr speziell. Was soll das konkret heißen, sie seien Salz. Ich selber habe das noch nie jemandem gesagt. Das ist fast beleidigend, im Sinne von: du bist sauer. Man kann zwar sagen: du bist ein Sonnenschein oder du bist eine Mimose, aber du bist Salz? Mit dem Wort Salz verbinde ich zudem unangenehme Erinnerungen an meine Kindheit, da ich bei Halsweh Salzwasser gurgeln musste. Furchtbar! Anderseits habe ich als Landpfarrer beim Brot Backen schon das Salz vergessen. Das Brot war praktisch ungenießbar. Es half auch nichts, nachträglich Salz darüber zu streuen.

Salz wirkt zwar intensiv in der Teigmasse, aber es geht darin gleichsam unter. So sollen auch wir, sagt Jesus, unscheinbar in dieser faden Welt leben, aber ihr das gewisse Etwas, das letztlich von ihm kommt, verleihen. Möglichst wortlos, allein durch unsere Präsenz. Das kann nur geschehen, wenn wir selber „Salz mit Geschmack“ sind. Sonst taugt es zu nichts, wie Jesus im Gleichnis bemerkt. Diese Würze erhalten wir aber nicht durch uns selber, sondern indem wir immer wieder bei ihm andocken. Das geschieht vorwiegend im Gebet und im sozialen Tun. Alles andere geht dann von selbst.

Einer alten Frau bringe ich regelmäßig die Kommunion. Sie hat im Leben einiges mitgemacht hat und betet viel in ihrer stillen Stube. Eines Tages musste sie zum Arzt und wartete gestützt auf ihren beiden Stöcken bei der Bushaltestelle. Da sprach sie plötzlich eine ihr unbekannte junge Frau an und sagte: „Ich habe ein persönliches Problem, das mich belastet. Darf ich es Ihnen kurz mitteilen, denn ich habe großes Vertrauen in Sie.“. Als der Bus kam, hatte die alte Frau noch kein Wort sagen können. Sie erhielt nur einen Abschiedskuss und ins Ohr geflüstert: „Wenn Sie wüssten, wie sehr Sie mir jetzt geholfen haben!“ – und weg war sie.

Salz der Erde mitten in der Stadt Feldkirch.

 

P. Christoph