Gedanken zum 1. Fastensonntag – 1. März

29.02.2020

In diesen Tagen ist viel Angst zu beobachten. Deutlich wird dabei auch, wie gewisse Leute nicht wenig Profit daraus schlagen, sodass der Verdacht aufkommen kann, dass hier und da die Angst gezielt geschürt wird. Selbst ansonsten recht besonnene Leute fragen sich plötzlich, ob die allgemeine Angst vielleicht nicht doch berechtigt ist und Furchtlosigkeit nicht etwa naiv ist. Schnell kann so die Angst Kreise ziehen und zu einer Hysterie heranwachsen, deren Auswirkungen real und folgenreich sind.

Eine gewisse Vorsicht ist natürlich gesund; sie bewahrt uns ja davor, dass wir uns unbesonnen Gefahren aussetzen. Wohl niemand von uns würde beispielsweise in tiefes Wasser springen, wenn wir nicht schwimmen können. Fliessend ist nun aber die Grenze zu ungesunder Angst, die uns nicht hilft, sondern die uns eingrenzt, uns lähmt und isoliert, weil wir uns vor allen möglichen Situationen fürchten, die eintreffen könnten. Wir starren dabei dermassen fixiert darauf, wovor wir uns ängstigen, dass wir anderes kaum mehr wahrnehmen. Die Angst hält uns vollkommen im Griff. Alles dreht sich nur noch um sie.

Christus will uns aus diesem Würgegriff befreien, indem er uns Vertrauen lehrt. Immer wieder lautet seine Botschaft: «Fürchtet euch nicht, habt keine Angst!» Gleichzeitig lehrt er die Menschen durch seine Taten, dass dies nicht etwa leere Worte sind, sondern dass sie gut daran tun, ihm zu vertrauen: Indem er für sie sorgt und sie von allen möglichen Übeln befreit, ja indem er gar den Tod überwindet und allen die Auferstehung in Herrlichkeit kundtut. Die Menschen erfahren dadurch, dass da tatsächlich jemand ist, der es gut mit ihnen meint und sich machtvoll um sie kümmert; sie brauchen also nicht mit allerlei Sorgen ihr Herz zu beschweren. Das ist die grosse Botschaft der Freiheit, die Christus mit Wort und Tat den Menschen nahebringen will: «Macht euch also keine Sorgen […]. Euer himmlischer Vater weiss, dass ihr das alles braucht. Sucht aber zuerst sein Reich und seine Gerechtigkeit; dann wird euch alles andere dazugegeben.» (Mt 6,31-33)

Der Aufruf, Gott zu vertrauen, wird uns übrigens auch im Alltag immer wieder vor Augen geführt, sinnigerweise gerade vom Geld, das neben der Gesundheit wohl jenes Gut ist, worum wir uns häufig am meisten sorgen: «Dominus providebit» steht nämlich auf unseren Fünflibern – «der Herr wird vorsorgen» (Gen 22,8).

Vertrauen ist freilich nicht von heute auf morgen gelernt. Aber wir können uns darin üben. Und bald werden wir sehen, wie befreit wir uns dabei fühlen dürfen. Ist nicht gerade die Fastenzeit eine Einladung, sich in diese Haltung einzuüben und auch andere damit anzustecken?

P. Thomas