Sonntagsgedanke – 17. November 2019

17.11.2019

„Kein Stein wird auf dem andern bleiben“, sagt Jesus im Lukasevangelium vom Tempel in Jerusalem. Da ist kein Stein auf dem andern geblieben, denken wir, wenn wir Bilder sehen von den Verheerungen durch Wirbelstürme, wie sie sich in letzter Zeit gehäuft haben. Und es ist zu befürchten, dass es noch schlimmer kommen wird. Bleibt denn da kein Stein auf dem andern, fragen wir uns bang, wenn wir die Entwicklungen in der Kirche betrachten. Und vielleicht haben wir manchmal das Gefühl, dass auch in unserem eigenen Leben kein Stein auf dem anderen bleibt.

All das kann Angst machen. Und Texte wie die Gerichtsankündigung im Lukasevangelium wurden früher benutzt, um den Menschen Angst zu machen. Man hatte anscheinend das Gefühl, dass man sie so am besten bei der Stange halten könnte. Aber wo Angst ist, da ist keine innere Freiheit, und wo keine Freiheit ist, da ist auch kein echter Glaube, keine wirkliche Liebe, keine Hoffnung.

Der Evangeliumsabschnitt will aber keine Angst machen, im Gegenteil. Nachdem angekündigt wurde, dass die Christen auf jede Weise verfolgt, selbst getötet werden, heisst es: „Euch aber wird kein Haar gekrümmt werden“. Schon vorher hiess es, dass sie sich keine Sorgen machen sollten, wie sie sich verteidigen könnten. Es werde ihnen eingegeben werden, was sie sagen sollten. Bei aller äusseren Not ist ihnen also eine innere Sicherheit verheissen, die nicht versehrt werden kann. Sie brauchen keine Angst zu haben, sie dürfen auf den vertrauen, der sie nicht allein lässt. Vertrauen aber schenkt Freiheit, und Freiheit ermöglicht Hoffnung, Glaube, Liebe.