Predigt am Christkönigsonntag

24.11.2019

Predigt von Pater Philipp Steiner am 24. November 2019.

„Die Queen braucht Hilfe – Prinz Charles soll im Chaos-Königshaus aufräumen“ so konnte man gestern in der Online-Ausgabe eines nicht gerade hochstehenden Schweizer Printmediums lesen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Es scheint, dass gerade in einer Zeit kriselnder Demokratien die Königshäuser Europas wieder neues Interesse finden. Nur zeigen sich diese halt allzu oft sehr menschlich und erscheinen nicht selten als Parodie auf ein Königtum, das den Adel des Herzens ins Zentrum stellt.

Unbestritten braucht die heutige Zeit neue Identifikationsfiguren. Aber die Kirche hält am Bild von Christus als König fest. Als Papst Pius XI. das heutige Fest im Jahr 1925 zur 1600-Jahr-Feier des Konzils von Nicäa einführte, griff er auf eine lange Tradition zurück. Auch dem heiligen Benedikt war das Bild von Christus als König geläufig, wenn er im Vorwort zu seiner Mönchsregel schreibt: „An dich also richte ich jetzt mein Wort, […] wenn du für Christus, den Herrn und wahren König kämpfen willst…“ (RB Prolog 3).

Die Idee von Christus als König hat unsere Vorfahren in der Barockzeit inspiriert, die Kirchen als himmlische Thronsäle zu entwerfen. Ob hier in Einsiedeln oder in etwas kleineren Dimensionen in den barocken Dorfkirchen der Innerschweiz: Die Kirche ist gestaltet als Audienzraum des himmlischen Königs. Alles drängt auf den Tabernakel hin: den Thron Gottes auf Erden. Es ist etwas Schönes zu wissen, dass wir bei diesem König immer willkommen sind und nicht lange warten müssen, bis wir zur Audienz empfangen werden. Bei Gott haben wir immer ein offenes Ohr.

Dennoch müssen wir hier etwas vorsichtig sein. So sehr wir diesem Bild von Christus als unserem König einige positive Aspekte abgewinnen können. Das Bild ist gefährlich. Wir dürfen von Gott nicht zu menschlich denken.

Das heutige Evangelium macht deshalb deutlich: Jesus Christus ist ein König ganz anderer Art als die britischen Royals oder die Kaiser und Könige der Vergangenheit. Auch König David, der in der Lesung als royaler Gewährsmann des Ersten Bundes auftrat, kann hier nicht mithalten.

Unser König hängt ausgestreckt am Kreuz, wird verspottet und gedemütigt. Nur ein einziger Mensch nimmt ihn ernst und vertraut ihm seine ganze Hoffnung an: „Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ (Lk 23,42).

Jesus Christus ist König als der Gekreuzigte, der uns geliebt und durch sein Blut erlöst hat.

Die Symbole für das Königtum Christi sind darum nicht Krone, Zepter und Königsmantel, sondern Krippe, Dornenkrone und Kreuz. Jesus verzichtet auf die Macht, er geht den Weg der Armut und der Gewaltlosigkeit. Er geht den Weg der völligen Hingabe und der wehrlosen Liebe.

In Jesus, der am Kreuz seine Arme ausstreckt, ist der Anspruch, Herr und König der ganzen Schöpfung zu sein, verborgen und nur für gläubige Augen sichtbar.

Was bedeutet es für uns, im Dienst eines solchen Königs zu stehen? Der heilige Benedikt bringt es im oben zitierten Vers auf den Punkt: „dem Eigenwillen widersagen“ und „den starken und glänzenden Schild des Gehorsams ergreifen“.

Jesus hat uns ein Beispiel gegeben, wie auch wir in dieser Welt leben sollen. Er ist gekommen, den Willen des Vaters zu tun. Im Dienste dieses Königs legen wir alles Machtstreben und mehr gelten Wollen ab. Wir werden zu Dienern.

Durch die Taufe sind wir zu Priestern und Königen geworden durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt. Aber dieses Priestertum und Königtum ist auch bei uns verborgen in der Schwachheit und Hinfälligkeit des Fleisches. Ja, oft ist es sogar verschüttet und verunstaltet durch Sünde und Schuld.

Das wird auch in der Kirche deutlich.

Die akute Glaubenskrise, die Skandale rund um den Missbrauch, der Mangel an Hoffnung und Zuversicht und viele andere Wunden der Kirche zeigen diese – wie die Windsors – eher als „Chaos-Könighaus“ denn als „Haus voll Glorie“. Doch in der Kirche brauchen wir keinen „Prinz Charles“, der aufräumt. Unser König hat seine Herrschaft bereits angetreten.

Doch wie der König, so ist auch sein Reich nicht von dieser Welt. Die Kirche selbst ist nicht deckungsgleich mit dem Reich Gottes. Sie ist vielmehr dorthin unterwegs als pilgerndes Gottesvolk auf dem Weg durch die Zeit.

Wir dürfen dankbar sein, dass dieses Reich da und dort aufleuchtet. Aber dieses punktuelle Aufleuchten darf uns nicht zum Stehenbleiben verleiten. Vielmehr gilt es, weiterzugehen.

Der Christkönigssonntag am Ende des Kirchenjahres ist darum keineswegs Endpunkt. Es ist kein Erhaschen eines Blickes ins Paradies. Der Christkönigssonntag ist vielmehr eine Brücke, die den Bogen spannt zum Advent, der Vorbereitung auf das Kommen des menschgewordenen Gottes in der Verborgenheit des Stalles von Betlehem.

Die Weisen aus dem Osten finden Jesus nicht in den Palästen Jerusalems. Der Stern weist an den Rand der damaligen Gesellschaft. Krippe, Dornenkrone und Kreuz – das sind die Insignien unseres Königs.

Wollen wir ihm folgen?