Sonntagsgedanke – 27. Oktober 2019

26.10.2019

Verbunden mit dem Herbst sind für mich die wunderschönen Worte von Rainer Maria Rilke:

„Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.“

Dass der Herbst so festlich farbenfroh aufleuchtet, ist für mich so, als ob er sagen möchte: ‚Da staunst du, dass ich, wissend um die Vergänglichkeit, dieses bunte frohe Kleid anziehe. Aber ich weiss ebenso sehr darum, dass der nächste Frühling kommen wird und darauf freue ich mich.‘

Das wäre doch die Grundhaltung von uns Christen und Christinnen. Ja, wir leben auf den Tod zu. Auch bei uns wird der Sommer zu Ende gehen, der Herbst wird Einzug halten und der Winter wird einbrechen. Aber uns ist ein Frühling verheissen, der mit keinem irdischen Frühling zu vergleichen ist, der nur noch Lebensfülle verheisst, einen neuen Tag, der keinen Abend mehr kennt, ein Leben ohne Gewalt, ohne Trauer, ohne Leid und Tod. Ostern – die Auferstehung Jesu Christi – leuchtet uns in den Herbstfarben entgegen, macht Mut, schenkt Vertrauen, verbreitet Hoffnung und befreit von Angst.

Die Worte des Apostels Paulus in der heutigen zweiten Lesung (2 Tim 4,6–8.16–18) sprechen auf ihre Weise von dieser christlichen Hoffnung, die uns geschenkt ist.

P. Benedict