Sonntagsgedanke – 20. Oktober

19.10.2019

Steine unter dem Arm des Mose

Was für ein dramatisches Bild: unten im Tal tobt die Schlacht zwischen Israel und Amalek. Vorteil Israel nur solange, wie der alte Mose auf dem Hügel oben die Arme ausgestreckt zu halten vermag. Sonst Vorteil Amalek. Die Kraft des Mose lässt langsam nach. Also schieben die Jünger des Mose Steinquader unter seine Arme. Und so geht schließlich doch Israel siegreich aus dem Kampf hervor.

Schön wäre es, wenn es immer so aufgehen würde … Aber wir wissen, dass dem nicht so ist. Was haben damals hunderte Dorfbewohner samt Pfarrer ihre Arme zu Gott erhoben, damit eine krebskranke Mutter nach der Geburt ihrer Zwillinge nicht von ihren vier Kleinkindern wegstürbe. Sie starb trotzdem. Was drangen aus der ganzen Welt Gebete zum Himmel, als ein kleiner Bub in einen tiefen Brunnenschacht fiel? Er wurde nur noch tot geborgen. Was beteten Nonnen jahrelang Tag und Nacht um Nachwuchs für ihr Kloster – und mussten dieses schließlich doch verlassen.

Jesus selber ist nicht unschuldig, wenn dieser Automatismus „Gebet – Erhörung“ in unseren Köpfen steckt. So z.B. im heutigen Evangelium: „Sollte Gott den Seinen, die Tag und Nacht zu ihm beten, nicht zu ihrem Recht verhelfen? Ich sage euch: Unverzüglich wird er ihnen helfen“. Und an einer anderen Stelle meint er, ein Vater werde seinem Sohn, der um ein Ei bittet, doch nicht einen Skorpion geben. Und folgert daraus: „So wird auch mein himmlischer Vater all denen, die ihn darum bitten, den Hl. Geist geben“ (Lk 11,13). Das ist nun eine völlig unerwartete Kehrtwende. Es geht also nicht mehr um dieses oder jenes konkrete Anliegen, um das wir bitten sollen, sondern um den Hl. Geist höchstpersönlich. Und was der in seinem Rucksack für uns bereithält, das zählt Paulus einmal auf:

„Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Sanftmut, Selbstbeherrschung“ (Gal 5,22).

Ehrlich, haben wir schon einmal dafür gebetet?

Könnten aber nicht genau diese Gaben des Heiligen Geistes in uns zu einem Teppich werden, wo alles andere sanft landen kann?

P. Christoph