Sonntagsgedanke vom 11. August

10.08.2019

Da ich arbeitsbedingt keine „Hauskatze“ bin (was sich für einen Benediktiner eigentlich gehören würde) und deshalb viel in der Welt herumkomme, wurde ich in den letzten Monaten mit vier unterschiedlichsten kirchlichen Lebenswirklichkeiten konfrontiert. Da gab es eine Primizfeier in einem Seminar („de la tradition“), tags darauf eine Sekundiz eines meiner Mitbrüder in Einsiedeln. Kurz darauf hatte ich im jährlich stattfindenden Wallfahrtsgottesdienst der Zürcher Orgel zu spielen. Schliesslich nahm ich letzte Woche an einem Kurs für Liturgieverantwortliche aus ganz Italien Teil, der von der Conferenza episcopale italiana organisiert wurde.

Ich fühlte ich mich nicht überall gleich wohl. Aber ich habe überall beeindruckende Menschen angetroffen, die glauben, und die in ihrer kirchlichen Lebenswirklichkeit tief verwurzelt sind. Natürlich ist auch im Glauben nicht alles gleich gültig, sonst würde er gleichgültig. Auch ich kann nicht alle Standpunkte gleicherweise teilen. Aber ich könnte mich auch nicht jenen anschliessen, die andere mit einem von Vorurteilen geleiteten Verhalten oder mit Druck so bearbeiten, dass sie müde werden und sich letztlich selbst aufgeben und das, was ihnen gross und heilig ist.

Im Vorfeld der erwähnten Primiz durfte ich eine Gruppe von Seminaristen in Einsiedeln empfangen. Der Dankesbrief, den ich von ihnen erhalten habe, beginnt mit einem Zitat: „Unitas in necessariis, Diversitas in contingentibus, Caritas in omnibus“. Einheit im Notwendigen, Unterschied im Möglichen, die Liebe in allem. Natürlich beginnt die Diskussion mit der Frage nach dem Notwendigen und dem Möglichen. Der dritte Teil des Zitats sollte aber wohl unbestritten sein.

P. Theo Flury