Predigt am Vorabend der Engelweihe

13. September 2017, Klosterkirche Einsiedeln, Pater Markus Steiner

Warum werden bei der Engelweihe so viele Kerzen angezündet, heute Abend bei der Gnadenkapelle und morgen dann in der ganzen Kirche und auf dem Klosterplatz? Einfach weil das schön ist, weil das so eindrücklich ist? Dieses Kerzenlicht hat schon eine besondere Symbolkraft.

Zunächst ist es eine Erinnerung an jene Lichter, die nach der Legende der Bischof Konrad sah, als Christus mit den Engeln und Heiligen kam, um die Gnadenkapelle zu weihen. Und an das Licht, das aufleuchtete, als der Engel erschien, um die erneute Weihe zu verhindern. Die Künstler, die unsere Kirche ausstatteten, haben es auch durch das amberfarbene Licht dargestellt, das besonders am Abend durch das runde Fenster in der Westfassade in den Raum der Gnadenkapelle hineinflutet.

Aber auch die Lichter Engelweihlegende weisen über sich hinaus. Darauf, dass während über tausend Jahren hier an diesem Ort Menschen Licht gefunden haben, das das oft so dunkle Leben erleuchtet. Die Gnadenkapelle ist tatsächlich ein Ort des Lichtes, nicht nur an der Engelweihe.

Woher aber kommt dieses Licht? Die Legende sagt uns: durch Jesus Christus. Er hat dieses Haus geweiht, seinen Segen darauf gelegt. Damit wird klar, dass in der Engelweihe gewissermassen lokal konkretisiert wird, was wir auch in den beiden anderen Lichtfesten des Kirchenjahres begehen, an Weihnachten und Ostern. Jesus Christus ist das wahre Licht der Welt, er leuchtet in die Finsternis.

An Weihnachten ist dieses Licht den Menschen erschienen, zunächst den Hirten. Die Künstler haben in unserer Kirche diesen Bezug zwischen Engelweihe und Weihnachten dargestellt, indem das gleiche amberfarbene Licht, das hinten den Raum um die Gnadenkapelle mit der Engelweihdarstellung erfüllt, auch vorne von der Laterne der Weihnachtskuppel leuchtet. An beiden Orten steht es dafür, dass die Grenze zwischen Himmel und Erde durchbrochen ist.

Und an Ostern denken wir daran, dass das Licht der Welt siegreich blieb, obwohl die Finsternis es nicht begriffen hat, obwohl das Dunkel es schon unterdrückt zu haben schien. In der Taufe öffnen sich ihm die Gläubigen. Dieses siegreiche Licht, sagen die Lichter der Engelweihe, ist an diesem Orte wirksam.

Die Engelweihe ist also weit mehr als nur eine effektvolle Inszenierung, mehr auch als ein Kirchweihfest. Sie ist ein Verweis auf Jesus Christus, der den Menschen immer wieder und bis heute sein Licht, ja sich selber schenkt. Dass Maria, wie die Liturgie sagt, die Morgenröte ist, die dieses Licht ankündigt, macht verständlich, dass die Gnadenkapelle auch ihr Haus ist.


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