Wetterpech an der Engelweihe 2015 in Einsiedeln

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Engelweihe mit Donnergrollen

Am vergangenen Montag beging man in Einsiedeln die Engelweihe. Aus klimatischen Gründen konnte die vorgesehene abendliche Prozession über den Klosterplatz nicht abgehalten werden. Am Fest nahmen auch Gruppen aus dem Ausland teil.

bgz. Für den Kapellbruder des Klosters Einsiedeln begann die Engelweihe vom Montag, 14. September 2015, in einem gewissen Sinne schon am Freitag vor diesem Festtag. Nach der abendlichen Komplet bekleidete er mit Hilfe eines Mitbruders das Gnadenbild mit dem Engelweihbehang, der um 1792/94 in Strassburg angefertigt worden war. In einem klösterlichen Dokument wird er als «schönster und köstlichster Behang» bezeichnet. Das Kleid besteht aus Silberbrokat mit Chenilleblumen und weist reiche Goldstickerei auf. Der Sonntagabend als Vorabend der Engelweihe sah in der Stiftskirche eine Premiere: erstmals fügten die Gärtner die brennenden Kerzchen anstelle der früher in den Einsatz gekommenen Leitern von einer fahrbaren kleinen Hebebühne aus in die an die Aussenwände der Gnadenkapelle befestigten Halterungen ein.

Urgrund des Einsiedler Gnadenortes

Nach alter Überlieferung steht die Gnadenkapelle da, wo der Heilige Meinrad seine Zelle errichtet hatte. Die Kapelle war ursprünglich wohl dem heiligsten Erlöser geweiht. Um 1150 wird erstmals die wunderbare Weihe diese Kapelle, die sogenannte Engelweihe, erwähnt. Im Eröffnungsvers der Vorabendmesse zum Hochfest, die die Klostergemeinschaft zusammen mit der Pfarrei Einsiedeln beging, hiess es am Urgrund des Gnadenortes Einsiedeln: «Ehrfurchtgebietend ist dieser Ort. Hier ist Gottes Haus, die Pforte des Himmels: Hier wohnt Gott bei den Menschen.»

In seiner Predigt ging Pater Justinus Pagnamenta von der Engelweihlegende aus. Menschen des 21. Jahrhunderts würden Legenden oft als unwahr und historisch nicht haltbar bezeichnen. Für Pater Justinus wollen Legenden jedoch mit wunderbar farbig ausgemalten Erzählungen tiefere Einsichten eingängig vermitteln. Die Betonung der persönlichen Anwesenheit von Christus bei der Engelweihe sieht der Prediger auch heute noch im Priester bei der Messe verwirklicht. «Der Zelebrant ist nur ein Werkzeug, ein Instrument Gottes.»

Abt aus Disentis zu Gast

Die erste Gottesdienstbesucherin, die um sechs Uhr am Engelweihtag die Kirche betrat, musste dem Wetterbericht zustimmen. Der niedergehende Regen entsprach der Voraussage. Zwar gab es später auch Aufhellungen. Dem Hochamt stand Abt Vigeli Monn aus dem Kloster Disentis vor. Anwesend waren Pfarreimitglieder aus Meersburg (D), wo man in der dortigen Schlosskirche ein Deckengemälde bewundern kann, das die Einsiedler Engelweihe zum Thema hat. Aus Strassburg (F) war ebenfalls eine Gruppe da. Traditionell anwesend war die Pilgergruppe der Diözese Sitten.

Donnergrollen, Blitze und Regentropfen in den abendlichen Stunden liessen die Verantwortlichen von der eucharistischen Prozession über den Klosterplatz absehen. Zwar waren doch beachtlich viele Häuserfassaden am Klosterplatz illuminiert. Die Klosterfront, der Marienbrunnen und der vorgesehene Altar auf dem Klosterplatz blieben jedoch ohne Kerzchenbeleuchtung. In der gutbesuchten Stiftskirche sorgte zur Stunde des kirchlichen Kompletgebetes um 20.00 Uhr die Einsiedler Feuerwehr für den Ordnungsdienst. Abt Urban Federer sagte in einer kurzen Ansprache, dass Gott in unserer Mitte sei und dass wir in Gott seien. Die Musikgesellschaft Konkordia begleitete die Prozession zur Gnadenkapelle, wo Abt Urbans Stimme – ob wohl die dichten Schwaden süssen Weihrauchs mitschuldig waren? - bei einem Gebet kurz versagte. Sein Assistent führte die Worte zu Ende, bevor der Klostervorsteher mit bereits wieder kräftiger Stimme den Segen erteilte.

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