Predigtgedanken zum Hochfest des hl. Benedikt

11. Juli 2015, Klosterkirche Einsiedeln, Abt Urban Federer

Was sind das für Jünger: Jesus steht vor seinem Abschied, vor seinem Tod, und sie haben nichts anderes zu tun als sich zu streiten, wer unter ihnen der Grösste ist! Was sind das für Jünger? Das sind, liebe Brüder und Schwestern, Menschen wie Sie und ich. Ob es gute Dinge sind, die heute passieren, oder Konflikte in der Familie oder gar Kriege: Immer geht es uns Menschen auch um Anerkennung, um Vorteile und um Macht. Auch bei besten Vorsätzen haben wir unsere Gefühle und Verletztheiten oft nicht unter Kontrolle. Sogar aus dem Gefängnis heraus muss darum der hl. Paulus schon zu Beginn unserer Kirchengeschichte der Gemeinde in Ephesus schreiben, sie sollen sich in Liebe gegenseitig ertragen und die Einheit des Geistes wahren; offenbar war das bei ihnen nicht der Fall.

Auch Jesus reagiert auf den Streit der Jünger, wer unter ihnen der Grösste sei, nicht, indem er diesen Streit nicht wahrhaben möchte. Jesus spricht keine «frommen» Worte, um dem Problem auszuweichen. In einem Gleichnis sagt er den Jüngern: Ja es ist so: Einige sind grösser als andere (jene die bei Tisch sitzen, sind grösser als jene, die bedienen). Er verlangt von seinen Jüngern aber mehr als das Akzeptieren dieser menschlichen Tatsachen! Er will, dass wir nicht bei inneren und äusseren Kriegen stehenbleiben! Christus möchte uns einen Weg führen, auf dem die Jünger ihm, Jesus Christus, ähnlich werden: Er, ihr Meister, ist unter ihnen wie jener, der bedient, er kehrt die Verhältnisse bewusst um! Und das soll auch für uns gelten!

Wie Christus werden: das ist auch das Ziel des hl. Benedikt. Er regelt darum zuerst das Äussere: Jeder hat seinen Platz und seine Aufgabe in der Gemeinschaft, damit wir uns nicht in Machtspielen und Äusserlichkeiten verlieren. Wichtiger ist dem hl. Benedikt dann aber, dass wir Menschen sind, die einander dienen, die im anderen Christus erkennen und so selbst wie Christus sind. Das ist eine Lebensaufgabe! Wie schön, dass wir da im Kloster jeden Tag neu beginnen, das jeden Tag neu einüben dürfen, wenn es schon im ersten Gebet in der Frühe des Morgens heisst: «Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht!» So wird das Leben nach der Regel des hl. Benedikt jeden Tag neu ein Weg zum neuen Leben in Christus!


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