Ansprache zum Jahreswechsel von Abt Urban

Liebe Mitfeiernde

Ich wünsche Ihnen von Herzen ein gesegnetes Jahr 2015!

Es ist eigentlich so, wie uns P. Alois zu Beginn dieser Feier sagte: Der Übergang von einem alten zu einem neuen Jahr ist äusserlich nicht festzumachen, sondern existiert vor allem in unserem Bewusstsein. Gerade deswegen ist es gut, dass wir das neue Jahr hier zusammen und bewusst willkommen geheissen haben. So hat es gut begonnen, in der Gemeinschaft mit anderen Feiernden. Was auch immer nun kommen mag: Das Jahr 2015 hatte von seiner ersten Minute an schon etwas Gutes!

Natürlich wissen wir: Das neue Jahr wird auch anderes bringen: Verletzungen, Katastrophen, gar Kriege. Das gehört leider zu unserem Menschsein. Es berührt darum eigenartig, diese Texte aus dem Nazi-Bunker zu vernehmen, die Dietrich Bonhoeffer kurz vor seiner Ermordung schrieb: Er fühlt sich von guten Mächten umgeben, behütet und getröstet und will so in das neue Jahr gehen! Er weiss: das neue Jahr bringt ihm den bitteren Kelch des Leides. Er weiss aber auch, dass er nicht tiefer fallen kann als in die Hände Gottes. So wünsche ich uns allen dieses Bewusstsein, wie dieser Gefangene aus Glaubensgründen – und von denen gibt es heute viele auf der Welt – wie Bonhoeffer sich das neue Jahr erwünscht: "Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag."

Meine Lieben, wir müssen uns darum nicht fürchten, sondern können uns zu Beginn dieses neuen Jahres ganz unter den Segen Gotte stellen: Gott ist diese wunderbare Macht, in der wir sogar in Leid und Katastrophe geborgen sind. Er hat uns an Weihnachten in seinem Sohn die Liebe gebracht. Im Zeichen der Liebe Gottes für uns Menschen, im Zeichen des Kreuzes, wollen wir darum dieses neue Jahr beginnen, wenn wir miteinander sprechen und dabei ein Zeichen des Kreuzes machen: im Namen des Vaters, und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.


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