Predigt an Aschermittwoch 2014

5. März 2014, Klosterkirche Einsiedeln, Pater Cyrill Bürgi

Liebe Mitchristen, liebe Schülerinnen und Schüler der Stiftsschule,

Die heutigen Lesungen sind ziemlich deutlich. Damals wie heute spielen dieselben Mechanismen. Man will sehen und gesehen werden, damit man vor sich und den anderen grösseres Ansehen erhält. Eine gute Show abgeben, machte schon immer Eindruck. So tun "als ob" ist ständig eine Gefahr, besonders bei denen, die sich einem hohen Standard verschrieben haben.

Jene, die Christus nachfolgen, haben sich einem hohen Anspruch verpflichtet und deswegen ist es ganz natürlich, dass wir als Christen immer wieder den eigenen Erwartungen nicht entsprechen. Das darf uns einerseits nicht entmutigen, andererseits dürfen wir nicht tun, als ob alles Bestens sei. Dann würde uns der Vorwurf der Heuchelei zurecht treffen.

Es ist wichtig, dass wir einmal eine Grundentscheidung gefällt haben, dass wir uns grundsätzlich entscheiden für einen hohen Standard, denn dazu sind wir berufen.

Und gerade euch junge Maturanden möchte ich dazu ermuntern, jeder für sich eine Grundentscheidung zu fällen, stets das Gute zu suchen und zu tun. Auch wenn das nicht immer gelingt, doch die Grundentscheidung muss da sein. Diese dürfen wir dann in jedem Augen-blick erneuern, so wie Paulus sagt: "Jetzt ist die Zeit der Gnade" (2 Kor 6,1).

Mit einem längeren Zitat von Papst Franziskus aus seinem Schrieben EVANGELII GAUDIUM möchte ich diese kurze Gedanken abrunden.

"Ich lade jeden Christen ein, gleich an welchem Ort und in welcher Lage er sich befindet, noch heute seine persönliche Begegnung mit Jesus Christus zu erneuern oder zumindest den Entschluss zu fassen, sich von ihm finden zu lassen, ihn jeden Tag ohne Unterlass zu suchen. Es gibt keinen Grund, weshalb jemand meinen könnte, diese Einladung gelte nicht ihm, denn »niemand ist von der Freude ausgeschlossen, die der Herr uns bringt«. Wer etwas wagt, den enttäuscht der Herr nicht, und wenn jemand einen kleinen Schritt auf Jesus zu macht, entdeckt er, dass dieser bereits mit offenen Armen auf sein Kommen wartete. Das ist der Augenblick, um zu Jesus Christus zu sagen: "Herr, ich habe mich täuschen lassen, auf tausenderlei Weise bin ich vor deiner Liebe geflohen, doch hier bin ich wieder, um meinen Bund mit dir zu erneuern. Ich brauche dich. Kaufe mich wieder frei, nimm mich noch einmal auf in deine erlösenden Arme."

Es tut uns so gut, zu ihm zurückzukehren, wenn wir uns verloren haben! Ich beharre noch einmal darauf: Gott wird niemals müde zu verzeihen; wir sind es, die müde werden, um sein Erbarmen zu bitten. Der uns aufgefordert hat, »siebenundsiebzigmal« zu vergeben (Mt 18,22), ist uns ein Vorbild: Er vergibt siebenundsiebzig-mal. Ein ums andere Mal lädt er uns wieder auf seine Schultern. Niemand kann uns die Würde nehmen, die diese unendliche und unerschütterliche Liebe uns verleiht. Mit einem Feingefühl, das uns niemals enttäuscht und uns immer die Freude zurückgeben kann, erlaubt er uns, das Haupt zu erheben und neu zu beginnen. Fliehen wir nicht vor der Auferstehung Jesu, geben wir uns niemals geschlagen, was auch immer geschehen mag. Nichts soll stärker sein als sein Leben, das uns vorantreibt! (EG 3)"


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