Gotteswort

8. Dezember 2017


Hochfest der ohne Erbsünde Empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria (H)

Maria Empfängnis. Neun Monate vor Mariä Geburt (8. Sept.) feiert die Kirche die Empfängnis der Gottesmutter. Der Osten feierte das Fest an manchen Orten schon seit dem 10.–12. Jahrhundert. Anselm von Canterbury (+ 1109) führte das Fest in seiner Diözese ein. Der Westen zögerte aber lange von einer „unbefleckten“ (ohne Erbschuld!) Empfängnis zu sprechen, bis Theologen die Empfängnis Marias, die auf dem natürlichen Weg erfolgt ist, als eine von Gott geschenkte „Vorausbefreiung“ Marias von der Erbsünde erklärten (päpstliche Definition von 1854: „im Hinblick auf das Erlösungswerk ihres Sohnes“).

Ein Fest der Gnade! Maria ist die „Begnadete“. Für Christen ist „Gnade“ die Zuwendung des gnädigen Gottes, und zwar eine bleibende, und eine nicht nur äussere. Durch sie werden wir eine „neue Schöpfung“, die Gott zugehört. Für Maria übertrifft diese Gnade das Mass der Übrigen, das selber schon gross ist. Maria dankt im Lobpreis des Magnifikat. Wir dürfen besonders in Gotteslob, Eucharistiefeier und Gebet danken.

Kyrie

Christus, du hast Maria Gnade in Fülle geschenkt. Herr, erbarme dich.
Du schenkst uns Anteil am göttlichen Leben. Christus, erbarme dich.
Du blickst in Gnaden auf alle Menschen. Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Grosser und heiliger Gott, im Hinblick auf den Erlösertod Christi hast du die selige Jungfrau Maria schon im ersten Augenblick ihres Daseins vor jeder Sünde bewahrt, um deinem Sohn eine würdige Wohnung zu bereiten. Höre auf ihre Fürsprache: Mache uns frei von Sünden und erhalte uns in deiner Gnade, damit wir mit reinem Herzen zu dir gelangen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

1. Lesung

Gen 3,9–15

Der Fall des Menschen

Gott, der Herr, rief Adam zu und sprach: Wo bist du? Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich. Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe? Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben und so habe ich gegessen. Gott, der Herr, sprach zu der Frau: Was hast du da getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt und so habe ich gegessen. Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange: Weil du das getan hast, bist du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch sollst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens. Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf und du triffst ihn an der Ferse.
Adam nannte seine Frau Eva (Leben), denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen.

Sieg über die Schlange

Paulus nennt Christus den neuen Adam. Maria wird schon von Irenäus (um 200) „neue Eva“ genannt. So wird heute der Bericht über den Sündenfall als Prophetie gelesen. Gott hat Feindschaft gesetzt zwischen dem Menschen und dem Bösen (Symbol: Schlange), dies in allen Generationen. Die Erlösung geschieht, wenn der Mensch, der Nachkomme der Frau, das Böse besiegt. Christus hat dieses Erlösungswerk am Kreuz vollzogen. Maria wurde erwählt, indem sie gleichsam in die Erlösungsgnade hineingeboren wurde.

Antwortspalm

Psalm 98. 1–4


R: Singet dem Herrn ein neues Lied; denn er hat wunderbare Taten vollbracht.


Singt dem Herrn ein neues Lied;
denn er hat wunderbare Taten vollbracht.
Er hat mit seiner Rechten geholfen
und mit seinem heiligen Arm.

Der Herr hat sein Heil bekannt gemacht
und sein gerechtes Wirken enthüllt
vor den Augen der Völker.
Er dachte an seine Huld
und an seine Treue zum Hause Israel.

Alle Enden der Erde
sahen das Heil unsres Gottes.
Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde,
freut euch, jubelt und singt!

2. Lesung

Eph 1,3–6.11–12

Loblied auf den Heilsplan Gottes

Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel. Denn in ihm hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig und untadelig leben vor Gott; er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und nach seinem gnädigen Willen zu ihm zu gelangen, zum Lob seiner herrlichen Gnade. Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn; durch ihn sind wir auch als Erben vorherbestimmt und eingesetzt nach dem Plan dessen, der alles so verwirklicht, wie er es in seinem Willen beschliesst; wir sind zum Lob seiner Herrlichkeit bestimmt, die wir schon früher auf Christus gehofft haben.

Segenshymnus

Der Epheserbrief beginnt mit einem hymnischen Lobpreis auf die gnadenhafte Erwählung, die von Gott und seiner Liebe kommen. Kraft dieser Liebe werden Menschen zur Gemeinschaft mit dem Sohn Gottes erwählt. Diese Erwählung wurde vor allen andern Maria zuteil.

Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja. Gegrüsset seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Frauen. Halleluja.

Evangelium

Lk 1,26–38

Die Verheissung der Geburt Jesu

Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüsst, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruss zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird gross sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben. Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne? Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich. Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verliess sie der Engel.

Mir geschehe nach deinem Wort

Für Lukas verkörpert Maria Jerusalem. An ihr erfüllen sich die alten, grossen Verheissungen Gottes. Ihrem Sohn gelten Hoheitstitel, die dem Messias zustehen. Empfängnis und Geburt Jesu erscheinen als Erfüllung der Hoffnung Israels (vgl. Königstitel). Nicht mehr die Stadt Jerusalem, sondern Maria, die bescheidene Jungfrau, wird von Gott erwählt, wenn er das Erlösungswerk beginnt. Deshalb wird Maria vom Engel gepriesen.

Fürbitten

Christus, Sohn der Jungfrau Maria:

  • Reinige die Kirche von den Makeln der Sünde.
  • Bewahre die Gläubigen vor allen Nachstellungen des Bösen.
  • Schenke der Jugend die Gnade, in gesunden Familien aufwachsen zu dürfen.
  • Hilf den Bürgerinnen und Bürgern, für Gerechtigkeit in Staat und Gesellschaft zu wirken.
  • Tröste alle Kleinmütigen und Schwachen im Aufblick zur seligen Jungfrau.
  • Mache uns selber dankbar für die Gnade der Erlösung.

Gott, unser Vater, im Blick auf deinen Sohn hast du Maria vor aller Schuld bewahrt. Befreie uns aus Sünde und Not und lass unser Leben zu einem Lob deiner Gnade werden. Im Heiligen Geist, durch Christus, unsern Herrn.

Schlussgebet

Herr und Gott, das Sakrament, das wir empfangen haben, heile in uns die Wunden jener Schuld, vor der du die allerseligste Jungfrau Maria vom ersten Augenblick ihres Daseins an auf einzigartige Weise bewahrt hast. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.


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