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Predigt JUWA 2011 'Am Ball bleiben'

von Abt Marti Werlen OSB

16. Oktober 2011
29. So A
1 Thess 1,1-5b / Mt 22,15-21
 

Liebe Schwestern und Brüder

Ich kann mich noch gut erinnern, als wir in einem kleinen Team im April das Motto für die diesjährige Junge Wallfahrt ausgesucht haben. Wir haben uns gefragt, was wir jungen Men-schen zwischen 18 und 25 Jahren mit auf den Weg geben können. Schlussendlich waren wir uns einig: "Am Ball bleiben!" Das war das Motto. Wir wollten die jungen Menschen ermuti-gen, trotz allem am Ball zu bleiben - im Glauben, in der Kirche.

Aber es kam ziemlich anders als geplant. Wie so oft im Leben. Am Donnerstag informierte mich das Organisationsteam, dass sich nur gerade drei junge Menschen zur Wallfahrt ange-meldet hatten. Sie wollten diesen mitteilen, dass der Anlass aufgrund mangelnden Interesses nicht stattfindet. Jetzt wurde die Junge Wallfahrt erst richtig interessant. Wir wollten die jungen Menschen ermutigen, am Ball zu bleiben – und jetzt, wo es nicht so lief, wie wir es uns vorgestellt hatten, sollten wir aufgeben?! Wenn wir, wie Paulus in der heutigen Lesung sagt, "das Evangelium nicht nur mit Worten verkünden, sondern auch mit Macht und dem Heiligen Geist und mit voller Gewissheit", dann waren wir jetzt ganz offensichtlich gefordert. Wie können wir glaubhaft anderen sagen, sie sollen am Ball bleiben, wenn wir selbst gerade nicht am Ball bleiben? Und so einigten wir uns am Donnerstag: Die Wallfahrt findet statt. Im Verlauf des Donnerstags kam eine neue Herausforderung dazu: Zwei der drei Angemeldeten sagten – aus plausiblen Gründen - ab. Da war die Junge Wallfahrt mit einem engagierten Organisationsteam und einer Teilnehmerin. Das Motto wurde plötzlich sehr konkret. "Am Ball bleiben" ist besonders dann spannend, wenn alle zum Aufgeben neigen. Wer in Sieges-position ist, bleibt selbstverständlich am Ball. Nach einiger Überzeugungsarbeit war klar: Wir bleiben am Ball. So hat gestern die Wallfahrt in Biberbrugg mit einer kleinen Gruppe begon-nen. Zu Fuss über die Altmatt und den Katzenstrick hierher zum Nachtgebet der Klosterge-meinschaft. Auf dem Weg meditierten wir in Stille über Lesung und Evangelium des heutigen Sonntags. Was sagen diese Texte zu "am Ball bleiben"? Über das Kommunikationssystem Twitter beteiligten sich auch andere an der Meditation.

Twitter beteiligten sich auch andere an der Meditation.

Wir waren überrascht. Die Texte sind eine grosse Ermutigung, am Ball zu bleiben. Gott bleibt am Ball. Er hat uns erwählt – er lässt uns nicht fallen. Paulus bleibt am Ball. Mit dem Gruss: "Gnade sei mit euch" spielt er den Thessalonichern gewissermassen den Ball zu. Er erinnert sie daran, dass sie von Gott Erwählte sind. Und die Gemeinde von Thessalonich bleibt am Ball. Paulus dankt Gott unablässig für das Werk ihres Glaubens, die Opferbereitschaft ihrer Liebe und die Standhaftigkeit ihrer Hoffnung. Jesus bleibt am Ball. Er geht auf die Gegner ein. Er theoretisiert sind, sondern bleibt ganz konkret. Mit einer Münze demonstriert er ihnen: "Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!" Ein junger Mann fragte mich scherzhaft über Twitter: "Woher weisst du, dass ich meine Steuern noch nicht bezahlt habe? ;-)" Und dann schreibt er: "Wenn ich nur wüsste was Gottes ist und er von mir bedarf." Liebe Schwestern und Brüder, wir alle tragen das Bild Gottes in uns. Gott hat uns nach seinem Bild geschaffen. Wir gehören ihm. Er hat uns erwählt – er lässt uns nicht fallen. Er bleibt am Ball. Jeder Mensch trägt das Bild Gottes in sich. Darum wollen wir einander mit grossem Respekt begegnen. Darum müssen wir uns als Getaufte wehren, wenn Menschen verachtet werden. Darum ist es selbstverständlich, dass die Junge Wallfahrt stattfindet, auch wenn sich nur eine Person angemeldet hat. Genau diese Person muss uns so viel Wert sein, dass wir am Ball bleiben.

Eine Frage bleibt: Warum hat sich dieses Jahr nur eine Person angemeldet? Es gibt verschie-dene Gründe. Ein Grund ist gewiss, dass wir dieses Jahr die Alterskategorie eingeengt haben. Bisher war es eine Wallfahrt für Junge und Junggebliebene. Es kamen vor allem Leute unter 18 Jahren und solche über 25 Jahren. Gerade dies macht uns auf etwas aufmerksam, das wir immer wieder geschickt ausblenden, weil es unangenehm ist: Die meisten getauften und gefirmten 18-25 Jährigen haben sich still von der Kirche verabschiedet. Selbstverständlich gibt es junge Menschen, die in kirchlichen Bewegungen oder in Pfarreien eine Heimat gefunden haben, aber für weitaus die meisten ist das nicht der Fall. Darunter leiden viele Eltern und Grosseltern. Das müsste aber uns alle beschäftigen! Die Junge Wallfahrt 2011 ist eine Herausforderung, nicht nur mit Worten am Ball zu bleiben, sondern mit Taten. Der Situation müssen wir uns als Kirche stellen. Wenn Gott oft durch die Jungen sagt, was das Bessere ist – wie der heilige Benedikt überzeugt ist -, so ist das Fehlen der Jungen in der Kirche ein grosses Problem. Wir müssen unbedingt am Ball bleiben: Wenn alles so anders kommt, als wir uns das vorgestellt haben. Wenn wir versagen. Wenn andere versagen. Trotz allem.

Liebe Schwestern und Brüder, ich bin überzeugt, dass die Junge Wallfahrt 2011 in unserer Klostergemeinschaft und in Ihnen allen mehr auslösen wird als alle vorherigen zehn Wall-fahrten für junge Menschen. Wir als Klostergemeinschaft müssen uns ehrlich der Frage stel-len, was wir an diesem Gnadenort beitragen können, dass junge Menschen das Geschenk des Glaubens entdecken und am Ball bleiben. Einen ersten Schritt möchte ich gleich machen. Ich lade alle jetzt mitfeiernden jungen Menschen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren an-schliessend an den Gottesdienst zu einer Begegnung ein. Und dann zum Mittagessen mit der Mönchsgemeinschaft. Alle jungen Menschen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren sind herz-lich eingeladen. Meldet euch einfach nach dem Gottesdienst hier vorne – von mir aus gese-hen links – an der Klosterpforte. Wie würde ich mich freuen, wenn unser Speisesaal zu klein wäre!

Bleiben wir am Ball!